Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 423 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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»Das große Wagnis*. '*-;-■ f * , . " .. - . . ✓ - Und. Ebene, der weite Keldir / vön 'Frühlingslüft über die Erdoberfläche hin 7 7 . Ich bin unterwegs zu; Rüth, ich. kaiin niemals müde werden alle Wege uii^d ^föümiAung^n der Welt sollen mich vött nun an nicht müde ma^eü! / : ' > : : Ich raste In einetn^ Dorf. Män versammelt sich um midi* Ich spreche vött^Rrttft" tuhjd:-^y^,soer Jugend, die* ich mit Ruth g^meihsam erziehen 'will. Ein junger Eehref umarmt ihich und1 preist deti Augenblick, da ich in sein^BilW^^^I^G^i biftv Er gibt mir Geld, alles, was er fiir nötig hält, Empfehiutt^briefe/B ' : Die Bücher werfe ich gfeich hinter dem Dorf in den Mühlbach. Ich brauche keine Bücher. Mir steht Rüth vor Äugen, die Göttin der Wahrheit. Irgend jemand Schließt sich ifcir;än. Auch mit ihm spreche ich von den Dingen, , die mich be;wegen. Ich kann nicht anders als immer nur dasselbe sagen. Er findet manches gefährlich, warnt mich. Zum Schluß ist er bewegt und küßt' mir die Hände. Ich übernachte in seinem HäuSe; . \ ' Doch ich muß'weiter. Immer hinter dem Lichte her, das voxaüsschwebt. Am nächsten Abend übernachte ich im Freien, lausche dem graublauen Gesang der obersten. Tännenwipfel, die sich vor dem Monde beugen. Der Geruch von Schilf und Moos ist noch aii meinen Kleidern, wie ich am nächsten Morgen auf dem Dorfplatz, wo gerade Markt abgehalten wird, eine Schar Von Kindern um mich sammle und anspreche. — Man hetzt die fJunde auf mich . .„. V Plötzlich bin idf in einer großen Stadt." Ich begegne alten Freunden, Bekannten; ich sitze mit ihnen in ihren Wohnungen, in ihren Klubräumen, im Cafehaus, man findet mich gänzlich verwandelt und doch sei ich wieder der Alte, man ist rührend um mich bemüht, besorgt mir äÜes> was ich brauche, hört mirzu/ wagt kaum zu widersprechen. Ich fyäbe;neiie Kleider/ eirieö steifen;Hut,- wohne in[ einem Vornehmen Hotel, miiß ununterbrochen Leute empfangen, die mir ihre ganze Lebeqsgeschichte erzählen und mich um Rat hätten.1 Wenn sie weggehen, sagen sie, daß ich sie getröstet habe, ühd daß sie in ihrem ganzen Dasein noch keine so gesegnete Stunde gehab hatten ^wie die tttit mir verbrachte. . . Und doch ist das, was* ich lehre, so einfach. >Es ist nichts anderes als das?, was ffh von Rüth empfangen habe: die Hoffnung auf eine neue Jugend. Ich sage immer wieder : »Nichts ist verlören, solange , noch Aussicht besteht,- daß irgendeine zukünftige Generation in einer .Erziehung heranwachst, die ihr richtige Entscheidungen ermöglicht. »Wir alle sind so herangebildet Vörden, daß wir uns irr den Hauptpunkten unseres Daseins fälsch entscheiden mußten oder überhaupt nicht entscheiden könnten, da das .Vorurteil unserer Kaste öder die Gliederung der C^samtheit schön im voraus die falsche Wahl für uns getroffen hatte : den tägaüsföllehden die; nichts als Arbeits- Häufüng ist, denungerechten Körper "der Gesellschaft, den madithungfigen Staat, qie ausschweifende Liebelei und die vernunftberechnete Ehe .• * . In derlei naturwidriges Gehaben wurden - wir förmlith hineingeboren, W&ift es so etwas wie Erbsünde gibt, sß ist £s die Trägheit, mit det Gepflogenheiten solcher Att fort* lind fortgeerbt werden«. v ' / . - <' -; . , ' ' ,"s ■•" ' •" / ' ' •* ' . " "