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Jerubbaal · 1919-01-01 · 10-11 (Jänner Februar 1919) · p. Seite 420

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
10-11 (Jänner Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 420 (sequence 66)
Language
German
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420 Alis den Briefen einer Blau-Weißen. deshalb die Vereine, wo einer den andern hilft, den Weg.besser zu gehen und weil wir wissen, wir bahnen neue gute Wege, die die rechten $ind, c deshalb unsere. Schaffensfreude,, deshalb unsere,Lebenslust! ..... Spät kam ich heute nach Hause und ging ungfem. Hattet ihr-auch-solch wundervolle Herbsttage?"War bei euch auch der Himmel so tief bläu und die Luft so klar_?und ^durchsichtig? Seht, ich will euch erzählen, was ich an solchen Abenden tue. Ich nehme an ihr kennt euch in iheinem Prag aus. Ich werde von einem, befreundetem Mädel. abgeholt. Es ist fünf Uhr und die Luft so % wie im Mai, so glatt und widch und streichelt. Wir gehen langsanl über den Graben und die Ferdinandsstraße und sehen uns hie und da Bilder und Bücher an, aber wir gehen ohne ein Ziel zu haben, doch ünbe* wüßt beide demselben Ziele zu. Kennt ihr unsern Kai? Wißt ihr, dort wo Präg den Anstrich einer echten Großstadt bekommt und wo Prag doch wieder'gän? däs wunderbare Prag ist. Da ist eine Reihe von Akazien* bäumen und' dfe hängen über das Gelände an der Moldau. Dort drüben aber geht die Sorine unter. Seht ihr, dor{ wo der Hrädschin mit seinen gothisdien Türmchen in die zarte Luft leuchtet, tbrt ist's am schönsten. Die Bäume des Laurenziberges sieht man sich bewegen, als kpsten sie miteinander. Dazwischen leuchtet die Sonne. Am Himmel aber sind alle möglichen Farben, besonders rot, verstreut und die Wolkengebilde verschieben und ändern sich und färben sich ins grüne. . ' \ Ich aber sehe das so oft, fast täglich und immer ist's heu und immec überall das Herrliche und ein sich immer vertiefendes Gefühl vön Liebe zu all dieseniu Schönen. ' < . Und seht, so soll man sich, denke ich, Stimmungen hingeben, aber nicht wie es so oft getan wird — ich tat es auch einmal so — indem man beim Anblick von Naturschönheiten >zu Tränen« gerührt wurde. Gott hat uns~ all das gegeben, damit wir uns darüber freuen und in dieser Freude ihm dienen. Übrigens meine ich auch, daß ein bewußtes Ausarbeiten von Stimmungen, ein Herbeirufen, flicht richtig ist, denn dies ist sicher etwas Krankhaftes. . v.; ' * Was meine erste Frage über das Werden betrifft, bin ich "zu Idas Meinung übergegangen, Sie hat recht, wenn sie sagt, ^man kann da, wie dort (also am. Lande allein und in der Stadt unter Menschen) in Nichts aufgehen, ebenfalls . aber werden. Nur meine ich, wenn ein' Wesen, das seine Naturahlagen, Intelligenz besitzt, draußen in frischer Luft unef in unmittelbarer Berührung mit der starken, herrlichen Natur lebt, daß ein solches Wesen viel leichter den* Weg zu" dem hat, als esn in der Stadt lebendes. Doch bin ich mir hierüber „ nicht recht klar ..... Und dann ließ mich ein Satz von Dir wieder ein bischen grimmig werden. Warum du da die Königin E. anführst, verstehe ich nicht. Wenn wir in der Schule gelernt haben, sie habe rein gelebt so hat man es uns fso gelehrt, -weil es der Staat eben so von uns braucht. Gerade so. wie die Katholiken die ächtjährigen Kinder lehren, die Juden haben Christus ermordet. Die brauchen nämlich Antisemiten und der Staat braucht Verehrung, seiner Häupter. Idh habe sehr häßlich gelacht hierüber. Mit solchen Beispielen kommst du bei mir schlecht an, detfn unter diesen Leuten gibt es wenige,

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