Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 419 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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. Aus den Briefen einer Blau*Weißen. 419 und litt sehr darunter. Ich dachte: Es hat ja alles ein Ende und ist des^ halb sinnlos.. \$ie kindisch das war, das kann ich erst jetzt begreifen, wo jeh eben das, was bald ein Ende nimmt, lieben und schätzen gelernt habe. Und ich habe mir ein »wozu« erwählt und deshalb meine Lebensfreude, . mein sonniges Sein. Es Ist so viel darin inbegriffen und nur ein kleiner Name : »Mensch« — jüdischer Mensch! Nun, worin die Beifügung begründet ist, will ich dir gleidi erklären. Olgas Erklärung über die »christliche Moral« kommt mir direkt lächerlich vor J Wie kann ein. jüdisches Mädel behaupten, in ihr sei »christliche Moral«? Nun, wenn du die Bibel gelesen hast, ich meine das alte Testament mit der Moses-Gesetzgebung, da findest du darin die Grundlage zu aller Moral und allem Sozialismus. Ja, ich gebe gerne zu, daß ich noch vor drei Jahren ganz anders vom Judentum sprach. Es war mir etwas krankes, für den Untergang reifes. Und weil ich es selber in mir trug war ich eben die Verneinende. Dann aber erkannte ich den inneren Wert und nun weiß ich, wozu ich/da bin. Ich denke so: In mir ist das Judentum und es soll neu und jung werden durch mich, durch jeden jungen Juden. Schaut, das eben ist das Freie, wovon ich voll bin, daß man an Althergebrachtem nicht halten muß, nein, eigene Wege gehen und immer bessere! . Kann es also einen schöneren Lebensinhalt geben, als »Mensch« — jüdischer Mensch. Nun hat das freilich mit dem üblichen »Religion« nicht viel zu tun> denn die bildet sich ein freier Mensch immer selbst. Die habe ich schon lange! Eine herrliche, jauchzende, tiefe Religion. Ob ich an Gott glaube?. O, und wie tief! Wer die Natur liebt, muß glauben und nur wer richtig glaubt, liebt die Natur! Gehe ich in den Tempel, der ist so schmal und dumpf .und nur von einigen Lichtern erhellt und die Menschen beten darinnen. Mir aber ist's, als schnüre man mir da den Hals zu und als müßte ich laut sagen: »Nein!!!«- Dann aber ist's auf einer fröhlichen Wanderung! Wir ziehen singend über das Feld, die Haare fliegen im Wind und»wir sind alle jung und froh. Nun kommen wir in einen Wald und da ist die Sturide meines Gebetes. Siehst du und das ist ein Tempel, den sich Gott selbst erbaut, der seiner Größe entspricht und statt der kleinen Lichter die Sonne, die goldene strahlende Sönne. Und das Gebet ist nicht zaghaft und kriechend, sondern jtibekid undtief..... * Ja, liebe Ida, du wirfst die Frage auf, ob nur.eine Frau eine glückliche Mutter sein kann. Ich würde sagen : auch ein unverehelichtes Weib kann sich des Wesens, das ihm gehört, erfreuen,, nur pflegt eben die Mehrzahl, solcher Weiber nicht frei vom. Konventionellen zu sein. Entweder _ ist's Proletariat, das nicht viel denkt und das Kind eben als natürliche Folge eines sinnlichen Genusses ansieht> oder aber der Mittelstand, der mit einer Ängstlichkeit den Schandfleck vor der Menschheit verbirgt. Die Kirider aus den letzten Verhältnissen, pflegea dann sehr bedauernswert zu sein! Man geniert sich nämlich für sie. Auch das sollte bei uns Juden anders werden!!!,.... . - Willst du wissen, was wir Zionisten wollen? Nun, ich sägte 7es schon einmal. Menschen wollen wir werden, alle zusammen. Deshalb die Bünde,