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Jerubbaal · 1919-01-01 · 10-11 (Jänner Februar 1919) · p. Seite 418

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
10-11 (Jänner Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 418 (sequence 64)
Language
German
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418 - Aus den Briefen einer Blau-Weißen. erst an zu "kritisieren, sondern lachen mich an und sind ganz neidlos. Es ist das Größe bei diesen Leuten und doch das traurige. Da fällt mir deine »christliche Moral« ein. In diesen Menschen steckt die »eferistilche Moral«, die sie solang im Ounkeln ^gehalten hat und ihnen vorschrieb, das Dasein zu verneinen in der Hoffnung auf ein schillerndes, besseres Sein. Und deshalb sincL^o viele Menschen, die nicht den Willen, den Mut haben, ihre Existenz zu verbessern, weil sie das Märchen glauben »Gott hat dich arm geschaffen und deshalb* darfst du nicht Gelüste tragen nach Reichtum«. Ich aber sage: Der starke Gott, der die weite, schöne Welt schuf/der wollte äuch des Menschen Freiheit sehen. Raum für alle hat die Erde! Wird dieser Raum von manchen zuviel mit Beschlag belegt: Es gibt ja immer Jugend und Ki*aft und schließlich auch einen Sieg! ..... Übrigens wirej es noch lange dauern, denn bevor die Völker international werden, müssen sie sich ihres Volkstumes voll bewußt sein. Denn liebst du dein Volk, deine Art, dann verstehst du auch die Liebe des anderen zu seinem Volk und seiner Art und läßt ihn in Frieden. Und auch wir Juden gehören zu diesen vielen Völkern, die die Aufgabe haben, einmal international empfinden zu können...... Mir gefällt deine Auffassung: Das Judentum soll Menschentum werden. Dies aber ist nicht alles, was wir Zionföten wollen. Seht, ich denke die Degeneration der vielen Assimilanten wäre nicht möglich, wenn die Juden äuf ihrem eigenen Boden fest wohnen würden, denn was ist ein Volk ohne Land. Nun und wir hatten und haben ein Land? Dieses nun für uns ganz zurückzubekommen, in diesem Lände unsere Kultur zu bilden, das wilbder Zionismus..... * Du mußt sehr kindisch sein! Gut, y^ir sind alle Idealisten, aber die »reine Vernunft«, von der Du so viel sprichst, die muß ja auch mitsprechen! Du willst im Vereine mit allen dem »Menschen« nachstreben! Der Kosmopolit tismus ist eine sehr schöne Sache, ich möchte sagen war, denn ist er nicht angesidits der jetzigen Zeit zur Ironie geworden? Und es kann ja auch kein Gleich werden zustande kommen, wenn es kein Gleichseih gibt. Ein jedes Volk fiat seine Rasse, seine Art und diese Art zu behalten, auszubilden, das ist das natürliche'Bestreben eines jeden Volkes. Und ich kann es nur gutheißen, wenn wir )uden, die wir doch eine besonders stark ausgeprägte Art h*aben, diese auch wahren wollen..... . Ich habe z. B. herausgefunden, daß die meisten Gefühle des Menschen dem Magen*entstammen. Lach nicht! ..... Zuerst will ich das kleine Mißverständnis aufklären, Nun ich schrieb wohl, ich habe das Detaillieren nicht gerne. Ich bezog -das bloß auf Men~ sehen, teils: auch auf Kunstwerke, ein Mensch ist meiner Ansicht, nach das komplizierteste Kunstwerk und ist nie ganz zu ergründen. Weißt du, manchmal kommt mir alles so einfach und ddch so wunderbar vQrr das ganze Leben so bunt und so schön. Ich inadfre mir eben keine Gedanken über das »woher« und »wohin«. Nein, wir sind eben da und das ist ein großes Glück, Nun handelte es sich mir früher zumeist darum: »Wozu«. Ja früher, weißt du, so in der Zeit des3 Überganges, wo die Gedanken direkt krankhaft auf3das junge Mädel eindrängen, da dachte ich oft verneinend

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