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Jerubbaal · 1919-01-01 · 10-11 (Jänner Februar 1919) · p. Seite 417

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
10-11 (Jänner Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 417 (sequence 63)
Language
German
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Aus den Briefen einer Blau -Weißen. 417 zu, 'sagen pflege, weil die guten Leute keine Feder und Tinte hatten, sondern weil ich eben von aller Welt, * von all den. Menschen, die mir nähestehen, midi absichtlich abschnitt und einmal nur ganz I. S. zu werden mir vörnahm> die allein ist, um allein zu werden.. . ■. . .-.^leint ihry das man »selbst« wird, wenn man ganz allein lebt? Ich meine unter »Selbst« einen eigenen Menschen, der unbeeinflußt und wirklich ganz individuell ist üfrd. so aus sich heraus wird- Menschen, Bücher und Xheater wirken doch, kommt inan mit verschiedenen Leuten zusammen, hört man verschiedene Meinungen und ist selbst noch jung und glaubensfroh, dann ist es immer so schwer, das »Sichherausarbeiten«..... Wie ich-mir Jesus vorstelle? Wie Mose, nur daß zu Jesum Zeit das Volk so degeneriert war, daß er sein Leben opfern mußte, um auf das Volk zu wirlcen, Er muß ein größer Mensch gewesen sein und ich meine, er kann uns allen als Vorbild dienen. Daß ihn die Menschen zu »Gott« ,erhoben haben, das müßten nur Menschen tun, die Götter brauchen um Menschen zu sein. Und die Bibel? Wohl ist in der Bibel, wenn sie richtig gelesen wird, die ganze Weisheit der Welt enhalten und man brauchte keine anderen Bücher zu lesen, aber wir sind eben nicht so weit, um so große Sachen in einer einfachen Form zu lesen . Ob das Nationalbewußtsein zum Menschen gehört? Nun warte, wie ist das eigentlich? Ich würde sagen, daß ja. Nämlich zum Leben eines Europäers, eines Mannes sicher.^Übrigens ist bei einem Weibe nie das Nationalbewußtsein so istarfc-ausgeprägt wie bei einem Manne, wäs ja auch leicht begreiflich ist. Denk nur-an die schönen Worte Ruths; »Dein Gott wird mein Gott- Dein Land/ wird mein Land!« Aber wenn man so große Männer sieht, muß man doch zugeben, daß viele doch nur durch ihr Nationalbewußtsein das geworden sind, was sie eben wurden und das besonders Männer ' aus unterdrückten Nationen. Demnach zu schließen müßte dies zum "Menschen gehören. Und doch haben die Urmenschen, die freien Naturküider dieses Gefühl nicht gekannt, dafür aber eine starke, gesunde Ltebe zur Erde. Diese Liebe wird vielleicht et^as ähnliches sein . . , . . ' " Damit wir noch mit dem Sozialismus halbwegs ins Klare~kommen, will ich zu deinen.Ausführungen! bemerken, daß es der großen Menge vorläufig ich meine den. alten r~ nur auf eine materielle Besserung ankommt und das Geistig-Freie sich schon in der Jugend zu regen anfängt. Übrigens schätze ich *das Denken und Fühlen eines Arbeiters sehr hoch ein. Ich habe heute in der .elektrischen Bahn, wo ich so meine meisten Erlebnisse sammle, auch etwas Wertvolles, Großes -und" doch Einfaches gesehen. Ich steige ein und habe ein neues Kleid, dem man das Neue Hoch ansieht. Ich sdie zwei Arbeiterfrauen,, die mich anschauen. Da überkommt mich immer ein bren^ nendes Schamgefühl. Am--liebsten würde ich dann meine Fetzen ausziehen denn warum sollen sie besser sein als die jenes Weibes, das doch nichts, weniger ist als ich. Brod hat bei einem seiner- Vorträge gesagt: »Jeder -Wissende schämt sich seines Wissens vor dem Unwissenden«. Bin starkes ^ort, würde\aber gut herpassen. Nun aber die Frauen. Die fangen nicht

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