Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 415 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Briefwechsel über einen Purimball. 415 Leider können wir ihr, nicht folgen, weil wir durch uns wichtig scheinende- % Bedenken daran gehindert werden, als Verein jüdischer Akademiker an einem Purimabend, der sich, wie wir hören, in Form einer Redoute abspielen soll, Anteil zu nehmen, und wir bitten Euch, unsere Gründe anzuhören und danach zu erwägen^ ob sie auch für Euch gelten.^ 1 Purim ist ein Fest der Freude über die Errettung unseres Volkes vor Idem Blutbefehl des-Ähasveros. Es ist ein Galuthfest, es erinnert an die Leiden unserer Vorfahren im indisch^äthiopischen Reich, es gedenkt der Hilfe, die Esther ihrem bedrängten, -gequälten Volke brachte. Nicht immer haben die Juden Purim »in heller Lust und Fröhlichkeit, in Freude und Jubel« gefeiert. In trüber; Zeiten des Exils war es nur zu häufig allein ein Fest der Hoffnung,- Lachen und Scherzen verhüllten nur die Leiden und die Sehnsucht nach Erlösung im gelobten Lande. Immer war die Art, iii der Purim ynd alle anderen Feste gefeiert wurden, Ausdruck des Geistes oder des Ungeistes, in dem das Volk lebte. Und wir glauben/ daß wir in diesen Tagen der Pogrome, der Qualen unserer unglücklichen Volksgenossen, in den Tagen der Trauer um unsere gefallenen Brüder und um alle in vier Kriegsjahren gemordeten Menschen/ in den Zeiten, in denen sich das äußere Schicksal der Welt und unseres Volkes für lange hinaus entscheidet, in denen sich vielleicht die Welt innerlich von ihrer Vergangenheit äbiehrt, um in sich neues, nicht machtbestimmtes Leben zu schaffen, wir glauben, daß wir in dieser Zeit Maß halten sollen im Ausdrück unserer Freude, daß wir aber auch die Formen^ in denen sich unsere, der akademischen Jugend, Freude äußert, prüfen sollen, ob sie uns gemäß sind. Die jüdische Jugend, die strenge Verpflichtung gegen sich und gegen ihr Volk fühlt, weiß, daß ein Maskenball nicht die Form ist, in der sie ihren ^freudigen Willen zum Leben ausdrückt. Der jüdische Student, der *^zu den bedrückenden Rätseln des Seins ein bewußtes Verhältnis hat, stejit fremd und verständnislos den üblichen Geselligkeitsformen Europas gegenüber. ' Deshalb können wir nicht mittun. Und wir bitten Euch, Kollegen, prüft unsere Gründe im Bewußtsein der großen Verantwortung, die auf uns, der jüdischen Jugend; lastet! Noch eines möchten wir, jedoch nur nebenbei, erwähnen: Das Fest, zu dem Ihr uns eingeladen habj:, stellt die erste gemeinsame Tat der jüd* . , . akäd. Vereine dar. Wir machen es unseren Gegnern und unseren Freunden zu leicht, -uns anzugreifen. . Mit kollegialen Grüßen . . >, 8. März 1919. - ' für die Vereinigung . . .