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Jerubbaal · 1919-01-01 · 10-11 (Jänner Februar 1919) · p. Seite 412

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
10-11 (Jänner Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 412 (sequence 58)
Language
German
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412 Wie ist unser Verhältnis zu unseren Eltern jetzt tatsächlich? - Diese Scham sollte uns brennend und hart bedrängend werden,. sie sollte uns die strenge und unerbittliche Mahnung zum Aufstieg sein. Auch unsere Eltern haben vielleicht ein Ideal gehabt, dem sie glühend und unbedingt zu folgen wähnten und was aus ihnen geworden ist, muß ein Hohn auf dieses Ideal sein. Wir müssen zu tiefst erschüttert werden, wenn wir denken, daß alle fürchtlose Jugendhingabe an vermeint Gott*? liches endigen kann* in einer ganz bequemen,feigen Behaglichkeit. Denn, wie sollen wir uns dem entziehen T Wie sollen wir auch unseren Kindern die Möglichkeit geben,, diese zerquälenden Widerlichkeiten, die das Leben im Elternhaus" mit sich bringt, auszutauschen, gegeq einen bewußten, ernsten m Kampf der Jugend: gegen das Alte. Denn, so wie wir jetzt landläufig im-Elternhaus feben, kommen wir nur zu leicht in eine verzweifelte Passivität. . Ich denke nur daran, daß so. und so vielen Menschen ja -kaum Zeit gelassen wird nachzudenken und Sich über alle Forderungen zu besinnen. Der junge Bursche wird noch eher Möglichkeit finden, seiner Wege zu gehen, "dem Mädchen, wenn wir ungefähr das Leben in unseren Bürgerhäusern nehmen, wird es schlechterdings unmöglich gemacht. Ein Mädchen, insbesondere in-jüdischen Häusern, ,7wird heute im Grufide genommen noch haargenau so auf Häuslichkeit und gute Partie erzogen als früher, daß sie daneben^ seelisch krankt, schließlich an allem Guten halb verzweifelnd, voll Quai sich allerdings vielleicht rycht unter* wirft, aber doch nicht mehr viel widerstrebt, ~ wird der Familie nur be^ weisen, daß eine gute Erziehung schließlich alle Verrücktheiten beseitigt und einen Menschen auf den einzig währen und guten Weg des soliden undTordentlicheh Lebens-bringt. . ' Ich weiß bestimmt, daß es vielen so geht und ich.giaube, daß es ins* besondere für ein Mädchen tatsächlich sehr schwer ist, sich von dein feinen, für alles gesunde, geistig schöpferische undurchdringlich abhaltenden Netz der guten Erziehung zu befreien. Hier mußte ein Zusammenschluß der gesammelten, unwiderstehlichen Kraft der Jugend befreien. Hier muß die Jugend _so aufstöhnen vor Schmerz über die Vet> gewaltigung, die ihr geschieht, daß die Eltern hören> daß hier unsägliche Qual lebt. Ich will glauben, unsere Eltern -wollen unser Gutes, aber sie wissen nicht, daß sie nur i h r sogenannt Gutes geben. Wenn der Kampf durchgeführt werden soll, zwischen Kindern und Eltern und er muß durchgeführt werden,/ so muß sich, glaube ich, die Stellung der Kinder so gestalten: Sobald die Kinder gewähr werden/ daß sie eine andere Aufgabe haben, als die^ der ihre Eltern, nachgehen, daß etwas in ihnen lebt, das nach Klärung und Erfüllung drängt, sollen sie däs* Elternhaus verlassen. Sie sollen suchen in einer neuen jungen Gemeinschaft Festigung im Hinblick auf ihr Ziel zu erlangen und sie sollen die Einsamkeit haben, die es braucht, um sein ureigenstes Selbst zu finden. Sie sollen einen heiligen Krieg gegen ihre-Efcern fuhren. Schon in der Kinclheit und vielleicht sogar hier am stärksten, liegen

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