Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 400 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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400 seien, fehlt jede Großzügigkeit, jeder "Weitblick für Wirtschaftsgestaltung, jede Unbefangenheit iei der Abschätzung der einzelnen Berufe, In der jüdischen Familie wirken aber auch stets in besonders starkem Maße gefühlsmäßige Einstellungen bei der Be&fsbestimriuing mit, so. der Beruf des Vaters oder anderer Familienangehöriger oder Verwandter, die »Jhr Glück« gemacht haben, die zufällig sich * bietende Gelegenheit, daß das Kind von einem Anverwandten zü irgend einem Geschäft angelernt werden kann, ganz besonders aber der .ungeheuer starke Wunsch nach sozialem Aufstieg und materieller Sicherheit des erwählteil Berufes. Wer / je erlebt hat, auf welche Weise hier Kinder mit ausgesprochener Speziäl** , begäbüng zur Erlernung irgendeines völlig* gegensätzlichen Berufe ver* halten werden, wie andererseits die .unklare Vorstellung,* ein möglichst langer und komplizierter Schultesiich mache besonders Fähig, den Grund zum jüdischen Qeistesproietariat legt, wie jejle Festlegung und Ertüch* tigung in einem Wissenszweig oder einem Handwerk verhindert wi;td durch die Sucht, das Kind von möglichst vielem gleichzeitig wissen zu lassen, wie diese Sucht: auf"eine Fremdsprache deren zwei oder drei darauf die mechanische Erlernung von musikalischer Fingerfertigkeit, Kurse, Vorlesungen, häuft und die flache Vielwisserei und Wenigkönnerei züchtet, die das hervorstechendste Merkmal der Kinder unserer »besseren« Leute bildet, weiß, \?äs die Berufsbestimmung in der Familie auf dieser Stufe der Schulbahh zu bedeuten hat und woher die innere Untüchtigkeit und die innere Leere im heutigen jüdischen Berufsleben rührt. Der Teil der Jugend, der auf dieser Stufe die Schule verläßt, um eine, Stelle im Händel, im Gewerbe oder in der Industrie zu besetzen, scheidet; aus unserer Betrachtung aus. Für ihn ist eine vorIäu%e^Entscheidüng ~ #effoffen, für ihn tritt der Einfluß der Familie auf die endgültige Berufs^ wähl zurück, um sieh erst in für uns untergeordneten Fraget wie Finan* zierung bei Etablierung etc. wieder bemerkbar zu^mächen. Abe£ auch; der in Mittel^ Fach* und höheren Schulen verbleibende -Teil unterliegt , nicht mehr dem Einfluß der Familie allein, für ihn werden Ajischaü* ungen von Freunden, die Berufswahl älterer Kameraden, bei Bildung eigenen Urteils mitbestimmend. Diese drei Faktoren haben, abgesehen von ihrem jeweiligen Wert, die gleiche Pehfrnqiidle,1 die Einseitigkeit die ausr der Bekanntschaft mit einem sehr geringen Teil der BerüfsmögUchkeiten/ resultiert. Es sind auch schön Standesvorurteile, Wünsche nach glattem- und vergnüglichem Leben, Ehrgeiz, Machtkedürfnis, kurz Erziehungs* früchte aller^Art wirksam. Und die Entscheidung nach der anderen Seite . .Jim ist doch so unsagbar jschwer, es scheint doch so verniessen, den eigenen schüchternen Gefühlen zu folgengegen die kompakte Masse der .Verwandtschaft, die anders gewählt hat und bei der alle Machtmittel von der Entziehung des Taschengeldes angefangen bis zur Enterbung, -Ächtung liegen. Und gibt es schon - Fälle, in denen die Wahl dem Jugendlichen freigestellt wird, so geschieht das zumeist unter der still* schweigenden Voraussetzung, die wahf werde sich innerhalb der durch Stand und Erziehung gebotenen Grenzen bewegen -und etwa zwischen- -Bankdirektor und Landesgerichtspräsident variieren* *