Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 396 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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396 Erwin K o h n: Persönlichkeitsentwicklung nehmen äls der Mann, so ist es notwendig, diese Individualität in Verhältnisse zu versetzen, die ihr eine freiey aus dem Natürlichen aufsteigende und tihgehemmte Entwicklung möglich- -machen. Auch für die, welche sich äußerlich befreit haben, kann wirklich innere Befreiung des Eigensten nur dann geschehen^ wenn sie sich nicht bedingungslos nach der Geistesrichtung des Mahhes^bilden, was zti leerer Nachahmung, führen könnte, * sondern indem sie versuchen, aus sich selber heraus ihre Eigenart zu entwickeln und fruchtbarer zu m^ghen. Und eine Tat, die "'vielleicht doch noch viele jüdische Mädchen retten könnte vor dem Untergang in ihrer Umgebung, ^are, ihnen den Weg zu weisen zu der Aufgäbe, deren Lösung nur sie,! geben können, und die ist,-in dem sich neu erhebenden jüdischen Volke den Grundzug zu einer Weibliqhjteit zu finden, die als eine dem Volke untrennbar verbundene Eigenart in ihm wirkend unef fruchtbringend werden Jcann. * Marie Popper. Über das jüdische Berüfsproblem. ' -: " ' l ir . - - v , ■ - Wenn wir die--berüfliche Gliederung der Juden in West-Europa in einem geometrischen Bitde veranschaulichet! wöllen, so können wir sie in Anlehnung an einen im letzten Heft des »Juden« veröffentlichten Auf» satz Ruppins *-r mit einer Pyramide vergleichen, deren Unterfeil die kommerziellen Berufe einnehmen, daran anschließend die intellektuellen, im oberen Drittel -finden wir das Handgewerbe und sdiließlidi^an der Spitze die Landwirtschaft* Für die Juden in den ost-eü£opäischen Län~ dern verschiebt sich das Bild insofern, als dort, die * gewerblichen Berufe Hand^ und Industrtearbeit die intellejttuellen überwiegen. Versucheri wirdie Berufsgliederung eines Volkes darzustellen, das in einem gemischt, -agrikulturelj^industriellen'Staate liebt, so finden wir dort dte umgekehrte "Reihenfolge. An der Grundfläche sitzt die Landwirtschaft, dann folgt das Hand- und Indüstriegewerbe, der Handel und schließlich die intellektuellen Berufe. 4 - " ' Die Gründe dieser Anomalie reichen weit zurück, so weit zurück schon, daß die Deklassierung der Judenheit; als welche ihre dermalige Berufs** gliederung zu bezeichnen ist, der Majorität nicht mehr als solche bewüßt" ist. Sie beginnt mit der ersten Auswanderung von Juden aus Palästina, mit der Blüte des jüdischen Handels in Ägypten, sie findet ihre Fort* setzung und Verstärkung in der ersten und zweiten Vernichtung der staatlichen . Selbständigkeit, der Juden. Damals ist der. Zusammenhang •zwischen Juden und Erde so gründlich zerschnitten worden, daß er nicht wieder aufleben konnte. In unheimlicher Progression wächst 4fe Verdrän-* gung der Juden aus den produktiven Berufea in dien Ghettis. Nach dem Verbot Land zu kaufen öder zu pachten, das Verbot der Ausübung zünftlerischen Handwerks, ja selbst des ständischen Warerihandels. Gerade