Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 393 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Judfekfie WädAen. 393 entscheiden, ob nicht die das relativ Beste haben, die durch ihre Kindheit Fühlen und Einfinden schon verlernt haben. Denn das Mädchen, das sich nadv einer Erziehung zur Äußerlichkeit und: Hohlheit plötzlich dunklen, "inneren mächtigen Regungen gegenübersieht, die im Gegensatz zu all dem stehen, das man sie lehrte, kommt> wenn nur irgend etwas Tieferes in ihr ist/ in eine grenzenlöse, schmerzhafte Verwirrung. Und der entfesselte, chaotische Geist? findet nirgends Festigkeit, das Äußere wird gar nicht in Frage gestellt, * das Innere Entbehrt aller gesunden -Kraft und Festigkeit. Ähnung von Hohem, doch Unerreichbarem, Sehnsucht nach Wertvollem, doch, Unfaßbarem und gespenstische Furcht vor der langsam zermalmenden Bedrückung der Umgebung, bewegen in fortwährendem Wechsel die Empfindungen. Der einmal "erwachte Persönlichkeitswille will mit aller Macht den Kampf aufnehmen gegen Familie, -Tradition, Erziehung und Unwahrheit und trägt doch in sich unheilvolle Keime von Schwäche und vor allem von Ünbewußtheit eines Zieles. Bei jüdischen Mädchen wircl dieser Kampf/ dieses Suchen noch kraftloser gemacht, dadurch, daß zu der ohnedies schön; nieist ziemlich stärken Haltlosigkeit des weiblichen Qeistes noch die jüdische Skepsis kommt, welche die zu einem Kampf notwendige , gläubige Kraft noch mehr zersetzt. Man findet j>ei if—15 jährigen jüdischen Mädchen oft einen sehr starken Widerspruch zwischen Ziel und Wollen. Sie glauben, daß es ein Ziel gibt* herrlich und voll lebenserfüllendem Wert, aber sie glauben nicht, daß ihr tiefster Wille es ihnen möglich machen könnte, auch nur auf den Weg zü . diesem Ziel zu gelangen. Sie fühlen jsich ihrer Umgebung so entsetzlich und unbedingt ausgeliefert, daß alles Wollen, aller Verwirk^ iichüngsdrang wie gelähmt ist. „ Meist bringt es die Lebensweise mit sich, daß das Mädchen^ in der Haltlosigkeit undVerwirrtheit dieser Zeit, ia vollkommener Einsamkeit Steht. Äti die Umgebung,, die sie verachtet, kann sie sich nicht wenden, ein freies, längeres Bei^mmensein in Kameradschaft wird man ihr kaum ifestatten. So sieht sie sich; immer nur vereinzelt ihr Gutes erscheint ihr eicht afs etWas Fremdes, als etwas, das nur in Büchern lebt oder das Eigentum sehr ferner, üaerfeichbarer und herrlicher Menschen ist. Und wenn sie das auch noch öfter im Hause hört, so wird sie auch glauben lernen, daß alles, was sie in sich * als Wertvolles dachte, gar nicht ihr Eigenes ist," sondern eine Nachahmung der Eigenschaften, nach denen ste sich sehnte.-- ' ■ Mit einer wirklich beängstigenden Hingabe folgt das Mädchen den Gegenständen ihrer ersten . Schwärmerei und Verliebtheit. Alles, was sie an Edlem ersehnt, legt-sie in die Persönlichkeit des Menschen, den sie ^yerehrt und mit einer unglaublichen Einseitigkeit hält sie nur und ausschließlich an dem fest, was dieser Mensch sagt. Alle gedämmte Liebebe^ dürftigkeit der Kindheit bricht hier hervor. Und es entwickelt sich der stark weibliche Ztig, der vielleicht die ganze Wesenheit der Frau in sich birgt, nur zu leben in der Liebe zu einem Menschen. Alles erscheint laicht, alle Fähigkeiten werden 'gesteigert, alles Leben wird zu tiefst mit Inhalt * erfüllt. Hätte ein Mädchen dasH31ück, das ja beinahe nie vorkommt,