Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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X Felix WeJtsdi: Wille und Tat 389 gewinnen. Die fremden, die wir in den fremden Universitäten gelernt haben, infolge unserer Golusanomalie erweitern uns ntif von der Masse. des jüdisdhen Volkes- JEs muß ein besonderes Streben seitens der jüdisdien Jugend sein, -stets im Kontakte tnit der Masse zu bleiben- Sie darf in uns' nicht »Doktoren«" sehen,, die sie zwar achtet, aber schon nur halb zu den ihrigen zählt. Das beweist am besten der Umstand, daß, wenn sich einer findet, der sidi in seinem ganzen Verkehr frei bewegt und all das brennende heiseite läßt, er als Ausnahme betrachtet wird. Das wissen diejenigen, die im steten Verkehr mit unseren Brüdern im Osten stehen. Ein wichtiges, ja nicht zu unterschätzendes Moment bildet die Sprache. Wenn man zri einem bärtigen Juden polnisch oder deutsch spricht, so wird er unwillkürlich mißtrauisch. Bs jnag ja sein, die einen sprechen prinzipiell keinen »Jafgon«, die änderen, weil sie Hebraisten sind, aber däS Resultat bleibt dasselbe. Mit einem Juden im Osten muß man, solange wir im Gohrs sind lind solange er allein diese Sprache spriehj;, jüdisch sprechen, wenn wir ihn für uns gewinnen wollen. Tief in unserem Volkstum müssen Vir uns einleben, denn ohne die großen'Werte, die im Innern der jüdischen Volksseele schlummern, werden wir nichts erreichen. Ohne den Beistand unseres Volkes entbehren alle unsere Pläne, einer realen Grundlage. Es genügt nicht, wenn wir uns in die ehassidischen Geschichtchen einlesen und in unserer Phantasie eine Welt erstehen lassen, die nie ein ähnliches Bild hatte und von den heutigen Zu^ ständen sp fern ist,» wie Himmel und Erde. Es genügt nicht, aus Ge^ schichten und Noyellen das Volk zu kennen, man muß mitten in die Masse gehen, sich freuen an ihrer Freude, trauern, wenn sie trauert. Es ist doch bei tins Juden leicht, "denn wir haben keine Kasteneinrichtungen. »Kol israe( chawerim«. Man muß nur wollen. —- Das Band zwischen Vater und Sohn muß hergestellt werden, die Zukunft an die Vergangenheit festgeknüpft. Denn nur so, nur in Einigkeit mit allen Schichten unseres Volkes werden wir unser Ziel erreichen, das den Großen Israels vorschwehte,^ Nicht mit der Vertiefung der Ideologie, nicht mit. Traumen von einer anderen Welt, die einstweilen «im schroffsten Gegensätze zur Gegenwart steht, sogar nicht mit großen Gedanken können wir unserem -so schwer geprüften Volke helfen! Jetzt gilt die Tat. In dem wichtigsten Momente unserer Gesdhichte müssen wir uns einig -fühlen mil dem ganzen jüdischen Volke und erstreben den Tag, den der letzte unserer Propheten tm Geiste vorausgesehen hatte, »der zurückführen Wird das Herz der Väter zu den Kindern und und das Herz der Kinder "Sdiöpferischer Wille ist der Funke, der aus der geladenen Vital-Materie •springt. Das Ist mehr als ein Gleichnis,, das durch seine Vergangenheit in Mystik un4 Kabbdah ehrwürdig geworden ist,- es ist geradezu nüch* terne Beschreibung, bemüht, dasselbe auszudrücken, was eine neuere zu ihren Vätern«. Bernhard ^Wx'mert