Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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388 Bernhard Wc inert: Volk und Jugend« schweren Kampf um sie zu bestehen hatte, Sie opferte oft dasHeiligstewas es für einen jungen Juden gibt: die Familie, um nur der Fahrte, der sie auf Leben und Tod gesdiworen, treu zu bleiben. Mit verdientem Stolze schaut jsie heilte auf die Bewegung, wenn sich breite Massen des Judentums um das Bahner des jüdischen Rationalismus scharen^ v * Die Morgenröte der Freiheit geht für uns im Land unserer Ahnen auf, und qie Gedanken aller Juden wandern wieder gegen Osten, ans Gestade des blauen^ Meeres. Die Jugend ist stolz, denn sie weiß, daß sie dazu beigetragen hat/ sie ist sich aber auch bewußt, daß noch sehr viel von ihr verlangt werden muß. Gerade darum ist es nötig, mehr denn \t, daß zwischen Jugend und Volk ein enges Bafid geknüpft wird, wie es einst bestand. — Als wir in den finsteren Gassen des Ghetto wohnten), < da waren wir die ersten unseres Volkes< Nicht in die Hände der alten erfahrenen Männer legte das jüdische Volk seinen größten Schatz : die Thora. Nein. Der Jugend vertraute das alte-Volk"sein*Ällerheiligstes/ unsere Ahnen saßen über die Gemaroth gebeugt und lernt^nr die alte Lehre Israels feit Eifer. Es zog sich dieses Band von den Tanaim, die noch, in Kanaan wohnten, bis zu den verächteten Judenjungen in einem europäischen Ghetto. Kein Glied fehlte in der langen Kette/ einig waren Volk und Jugend. Und nur darum trotzten sie den anstürmenden Feinden, nur darum bestiegen die Väter die Scheiterhaufen, denn sie wüßten, Israel wird fiieht verloren gehen, die jüdische Thora ruht in sicheren Händen. Nun kam der Tag, es öffneten sidi die Tore des Ghetto,- die jüdische Jügend strömte hinaus und sammelte sich in fremden Kreisen. Es ^verlor sich der alte Grundsatz: »Frage deinen Vater und er wird dir sagen, dein^ Alten tind sie werden dir erzählen.« Nach fremder Weisheit fragte unsere Jugend und audv die Väter wußten nicht immer vier von d^r eigenen zu * erzählen. Das JBänd zwischen Volk und Jugend war zum, ersten Mal gelockert. Erst die nationale Bewegung brachte die Jtigend näher ans Volk. Äbet nochnicht ganz ist dieses Band/ libch nidht tief clie Wurzel, die die nationale Jugend im^Volke geschlagen hatte. Und gerade in den Kreisen, wefthe sich nodi nicht weit vom Volke entfernt hätten, zeigt sich eine/wenn auch noch nicht gefährliche, so doch peinlich berührende Entfernung. Wie der Schreiber dieser Zeilen aus dem Munde eines Leiters der zionistischen Weltorganisation^ der ein bewährter Kenner, der Verhältnisse ist, vor einem Jahre hörte, sollten sich in den letzten Kriegsjahren diese Zustände eher verschlimmern, . Was uns am. peinlichsten berührte, es betrifft einen Teil unserer Stü^?" dentenschaft im Osten. Wir jüdischen Akademiker, die künftigen Führer unseres Volkes, wie können wir uns von der Masse trennen? Ohne festen Rückhalt im Volk sind wir ^ein Haus ohne Fundament«, eine Nußsdiale auf den brausenden Wellen, die der Wind ohne Erbarmen, peitscht. Wollen wir unser Ziel erreichen,"so müssen wir die Massen; gewinnen ,- ur^d wir müssen gestehen, mit -solchen Mitteln wie bis jetzt, werden wir es nicht tun können. »Nicht dies ist der Weg.« Aus der judischen Gasse. sind ^wir^he^vprgegangen, wir kennen ihre Gewohnheiten, ihreJBräuche und nur mit diesem werden wir sie für uns