Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 386 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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386 ' ,: Bernhard Wellie rt: sich die Reibungen zwischen den Vertretern der alten und neuen 'Ideen. In den Annälen der Menschheitsgeschichte laßt sich irt jedem Gesdilechte - Rieses Phänomen iemerken. Wemuauch die neuen Ideen nicht immer ieine Wirkung aufzuweisen vermögen wie die Renaissance, die Reformation, das Zeitalter der Aufklärung <als ideelle Grundläge für die französische, Revolution), so waren sie dock für ihre Zeit sicherlich von eminenter Bedeutung. Nicht iipmer entbrannte auch der Kampf um dieneuen Strö* murigen so hefügg wie gerade in den obengenannten Beispielen, Wenn auch "nicht in allen Zeiten die Konservativen ihre Überzeugung mit'so viel Macht zu verteidigen in der Lage" waren wie damals, nichtsdestoweniger .war der Kampf,in den weniger eminenten Fällen nicht minder heftig. Denn es liegt schon;in der Natur des Menschen: ein Jjeder betrachtet seine Überzeugung als. heilbringend für di£ Welt bis in* die zukünftigen Geschlechter. - , In allen diesen Neuerungen läßt §ich aber eiaJPaden erblicken, der die wichtigste Aufgäbe in einer jungen Bewegung zu erfüllen hat. Er ist es; der die Kontinuität der Geschichte, die Verbindung zwischen Ve^angejri* heit und Zukunft herstellt. Das scheint uns in jeder Bewegung tur sehr^ Wichtig. Die Tradition der Väter darf nicht mit einem Male aus der Welt* geschaffen werden. Nein! Sie kann es nicht Eine' Bewegung kann sich nicht eines Tages von -der Grundlage, von all dem, das ihren Prozeß verursachte und beschleunigte, losreißen. Und wenn sie es trotz allem tüf, dann isJ sie verloren, cfem Untergänge geweiht. Fälsch ist die Meinung derer, die da glauben, Jahrhunderte in der Geschichte eines Volkes lassen sich streichen ohne eine Spur zurückzulassen. Die Geschichte zeigt uns eine Reihe solcher Beispiele und wir sehen heute wie "solche Versuche kläglich mißlangen. Die französisdie Revolution, der Übergang vom nur denkbarsten Absolutismus zur völligen Freiheit, mußte die Herrschaft Robespierres erzeugen <einen ähnlichen Vorgäng sehen wir litt unserer Zeit in Rußland), öder ein Beispiel aus unserer Geschichte: Die Berliner' Reform, wie sie aus den Versuchen des' vorigen Jahrhunderts hervor* gegangen ist, war von vornherein zum Mißlingen verurteilt. ßie hat sich zu weit, mit einem Male, von der Plattform des Judentums (entfernt. Die Reformatoren brachen mit dem überlieferten Judentum vollständig, sie verließen den Boden der historischen Entwicklung, um in biöder Nach* äffung der christlichen Kirche "ein »reformiertes« Judentum erstehen zu lassen. Wir wissen heute nur zu gut, wie es ihnen gelungeni ist, das Judentum zu ändern. Ein »am fc'schei oref«, ein hartnäckiges Volk hat uns einst Mose in der Wüste genannt und dies blieben wir, einer Welt", von Feinden zum Trotze. Ein Volle läßt sich nicht* von heute auf morgen reformieren/ es muß eine Entwicklung durchmachen/ es thuß reif werden. »Wie im Ld>en'eines Individuums im kleinen, so ist ves aüßh itn Leben eines Volkes im großen. »Man darf eben nicht die Frucht vor der Blüte wollen, das ist ein Gesetz in der Welt«, sagt Max Brod. Und dieses Oesetz ist ebenso gut im Leben .eines jeden Einzelnen wie in dem eines Volkes anwendbar. »Alles hat seine Zeit und jedes Unter* nehmen seine Stunde unter dem Himmel, c - - * < v ~*i - -