Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 385 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bernhard Weinert :~Volk und Jugend. 385 Sie verlangen, daß jedes Gebet, äüch wenn es noch so oft gesägt wird, ein Erlebnis sein müsse. Sie kämpfen also gegen das, was Du mit »hergelallter Frommelei« bezeichnest. Doch von dieser- Art des jüdischen Erlebnisses wirst Du, so lange Du noch allein auf solch laxen nationalen Grundsätzen basierst, keinen Hauch verspüren. Es ist der Fluch unserer Zeit, daß die Menschheit mit halbverstandenen Brocken um sich wirft *ind mit zu viel oder zu wenig besagenden Phrasen Operiert. Selbst der tiefer angelegte Mensch ertappt " sich dabei, daß ein inhaltsloses Wortgebilde ütrer seine Lippen will. Warum sollte es Dir, --einem »Streiter« der »jüdischen«- Jugendbewegung, anders ergehen? Laß mich es Dir noch einmal sagen! Das jüdische Erlebnis darf an und für sich nicht verworfen werden, nur. lächerlich machen $ich diejenigen, für dfe es .nicht bestimmt 'ist. Dein Tfachten darnach ist mitdem Verlangen » eitles Gesunden nach einer Medizin vergleichbar, tdie nur einem Schwerkranken Heilung bringen kann. Doch über allem Trennenden wollen wir uns die Hände reichen. Du bldbst trotzdem mein Bruder. Berthold Strauß. Volk und Jugend. : »Siehe, ich sende euch Eliäh, den Propheten....... v und er wird Vurücfc> führen das Herz der Väter zu ihren * . Kindern und das Herz der Kinder zu ihren a ' * e Vätern, daß ich nichf'komme und schlage * i- - die Erde mit Bann.« ' " ' Mäfeächi 3. 23, 24. — " * Den hervorragendsten Teil der menschlichen Gesellschaft bildet die Jugend,, Sie ist es; die in die toten Gebeine einen Odem bringt und frischer Lebensmut tind Lebenslust durchdringt die Menschheit. Ihr gehört die Zukunft. Hoffnungsvoll schaut sie in die kommender! Tage, die sie allein nach ihrem Belieben bilden wird. Frei von Fehlern - der Väter, befreit von den Banden, die die Alten gelcetfet haben, geht sie einem neuen Leben entgegen. - Im ewigen Wandel d?F Zeiten, in derri gleichmäßigen Aufeinanderfolgen der Geschehnisse unterliegt alles den Gesetzen der Natur. »Ein Qeschlecht geht, das andere kommt und nichts Neues gibts unter der Sonne« sagt Körii£ Salömo. Alte'*'Mehschen, die ihre Aufgabe auf Erden erfüllt haben, sterbet^ neue werden geboren. Alte, morsch gewordene Bahnen werden verlassen, neue, unbetr^tene Pfade we'rden beschritten. Neue Ideen taüchen auf, tragen Begeisterung m die-Reihen der Jugend, werden zum Inhalte der Geschlechter, um dann vor neueren Gedanken zu weichen. Überall im Laufe der Geschichte machte sich die Jugend zur Vqrkämpferin der neuen Ideen. Während die Alten ihre Köpfe schüttelten und zäh am Her^ ' kömmlichen, ati den Ideen ihres Jugendalters festhielten, setzte 3ie Jugend ihr Heiligstes ans Spie}, um nur ihrem Ideale zum Siege zu verhelfen. Immer gab es eine Scheidung zwischen Jung und alt,- immer wieder wiederholten