Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 384 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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384 Berthold Strauß:* Vom »jüdischen Erlebnis«. manchmal gegen ihren "Willen jede Faser als spezifisch ^jüdisch erweist.) - . Du mächst Dir über »Bure Art« des jüdischen Erlebnisses eine recht eigenartige Vorstellung, so daß es vielleicht nicht überflüssig ist, auch hierüber einige Worte zu verlieren. - Nur in seltenen Fullen sind es an und t für sich-"-* vom objektiven , Standpunkt aus betrachtet <-* schon bedeutende Momente; jlie ein jüdisches Erlebnis hervorrufen. Es kann vermittelt werden durch ein Bild, ein Lied> ein Gedicht, eine Handlung, ein- Gebet u. dgl. mehr oder nicht zuletzt durch einen Freund, Der innere Vorgang ist für assimilierte oder indifferente: , Juden ein ganz gewaltiger, oft so fruchttragend, daß,der Moment des Er* lebens kursbestimmend für die Gestaltung des ferneren Lebenslaufes ist.; Kann'es uns da wunder nehmen, wenn ein solcher Judedieser Offene barung einen übergroßen Wert beilegend, sie. zur Krone seines Lebens macht? \ * - , Für Herzl gab der Dreyfußprozeß, für Moses Heß die Damaszener Blutbeschüldigung den Anstoß oder ~ um mit dein scheinbar meht besagenden Worte zu reden ~? das Erlebnis, das ihre in gleicher Linie, wenn auch nicht in gleicher Kraft und Tiefe verlaufenen Bestrebungen einleitete. Alle die Männer; deren Wiege im Haüfce der uhi oth haolam <= Völker def Welt) gestanden, wurden durch ein Erlebnis zum Judentum geführt. Es ist ein Widersinn, etwa glaiiben-zu wollen^ daß es Menschen gab, die" sich aus Vernunftsgründen zum" Judentum bekannten. Der Ober* tritt zum Judentum um gewisser Vorteile willen könnte . uns nie und nimmer genügen. - Theodor Herzl hätte ein "Recht gehabt/ vom jüdischen . Erlebnis zu sprechen. Für ihn wäre es keine Phrase. <Er empfand den Haß, fühlte den Peitschenhieb, -den* d£r johlende Pöbel in den Pariser Straßen seinen bisher vergessenen Brüdern Austeilte, da regte sich in Ihm der Jude. Das wa* se i n jüdisches Erlebnis! ■ **% * Betrachten wir Herzl weiter j War er vor diesem Erlebnis ein Jude? Somit liefert Dir Herzl den besten Beweis. Die Möglich keif des Judentums »erleben«, schließt ein Judentum »leben« vor dem Augenblick der Offenbarung völlig aus. Aber auch das jüdische Erlebnis machte Herzl nicht;züm Juden. ^Einern Volke insgesamt kann si<h ein solcher seelischer Vorgang mitteilen. Am Sinai hat unsere Gesetzesnation Du kennst meine dies* bezügliche Auffassung — Judentum erlebt, da sie leer war an jüdischen Potenzen und Werten. Nur inl diesem Eustande konn t £ das aus der Knechtschaft" befreite Volk zu efnFm Erlebnis fähig sein. Erleben heißt, um noch einmal zu definieren, in des Menschen Bewußt* sein tritt ein Gedanke ein, der ihm bisher völligfremd war,- denn ein Erlebnis ist das Aufeinanderprallen verschiedenwertiger Geistesmächte, von denen die neue ünd siegende bisher ungekannt war. Auch unsere Weisen, die den beiden von Dir so gern zitierten Diosfcuren von Weimar mindestens ebenbürtig sind, sprechen vom jüdischen Erlebnis.