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Jerubbaal · 1919-01-01 · 10-11 (Jänner Februar 1919) · p. Seite 383

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
10-11 (Jänner Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 383 (sequence 29)
Language
German
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Berthold Strauß:] Vom »jüdischen Erlebnis« 383 Yöm'»jüdis(iien Erlebnis«.< " - - Lieber Freund! Du,än J^ihdjüdlsdißr TBitetnf willst Judentum erleben. Wisse, daß vorn judischen' Erlebnis noch niemals mehr gefaselt worden, als in der Gegenwart. Wir alle vernehrriefr diese Manifestation, eine Phrase, die in das Lexikon unserer geschwätzigen, oberflächlich denkenden Jugend aufgenommen ist, der eine, urt sie zu akzeptieren, der ändere, jsie zu verwerfen: Es ist vielleicht notwendig, Dir vorher zu erklären, daß ich all das, was -sich mit dem Begriff »Partei« deckt, einen Moment läng aus der Welt zu schaffen versuche, wenn auch die Realität, ob kurz oder lang, jeden derartigen, noch so kühnen Gedankenflug Lügen straft. Die, Kreise, in denen dieses; Wettrennen nach dem jüdischen Erlebnis mit" einer Permanehz veranstaltet und einer bisher unübertroffenen Heftige keit proklamiert wird, stehen' dem Judentum ganz fern. Nicht ich werfe midi zum Richter über diese Kategorie von Juden auf, sondern derjenige, der nach dem jüdischen Erlebnis hascht, sö ernsthaft wie der Knabe einen Sbnnensträhf zu fangen sticht, richtet' sich —- was seine Bewertung als Jude anbelangt <—- selbst. Ein Erlebnis ist das Produkt einer Kreuzung, die spontane im Äugen* blick eintretende Auswirkung des Zusammenstoßes verschiedener Geistes* richtungen. Sekundenlang berührt eine bisher ungekannte geistige Potenz deSn bisherigen Gedankenkreis des suchenden Individuums, um im Verhältnis zu seiner geistigen, Stufe eine Reaktion hervorzurufen, die stark genüg ist, innere Erschütterungen auszulösen; zumindest aber ein Erlebnis zu erwirken. , . ' Ein Judentum »er 1 eh en« steht im schärfsten Gegensatz zum Judentum »leben«. Ein Leben ifi den Diensf der einen Idealförderung gestellt; schließt die andere aus/ oder deutlicher: Das jüdische Er* lebtfis kann kein jüdische^ Leben vöraussetzen, wohl aber ein "jüdisches Leben seine Wurzel im jüdischen. Erlebnis haben. Denn in dem Äugenblidc/ wo dieser Wille, sein Ziel erreicht, wo tatsächlich — nach der Meinung de$ Suchenden urjüdische JElemente in ihm zum Bewußt^ sein gebracht werden/ war sein Innenleben ein Vakuum, eine Leere an Judentum, er hatte sonst den Unterschied hie: Judentum, da: entjudete ■"Weltkultür nie und nimmer machen können. Jeder, der des jüdi* sehen Geistes Hauch einmal verspürte, ist unfähig zum jüdischen Erlebnis/ sein^Sjnnen und Trachten, diesen Zustand zu erreichen, bedeutet eine unbewußte Herabwürdigung? oder aber einen Zuwachs zu günsten unserer vom -Zeitgeist durchtränkten Jugend. Denn niemals kann sich in ihm diese Berührung zu einem jüdischen Erlebnis auswirken. -; Ich will sogar noch schärfer fassen und behaupten: Für den wahr* * halten bewußten Juden gibt es kein j;üdiskches Erlebnis, Wi e Dti e s verstehs t. Sein Denken und Tun offenbart immer Judentum, dessen sich der Trager nur selten voll bewußt ist. <Ich brauche Dich nur an Dichter und Komponisten jüdischen Blutes zu erinnern, an denen sich

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