Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437823--431-3776818- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
* ' f . 1 _ '* . - 'l v Gesprftdi von der Heimkehr. 379 sauberen Raumes und helleren Lichtes für Ghettobedrängte, Arbeits* luftige . ilnd Arbeitslose. Vielleicht eine gute Werkstatt, ein frischer Tummelplatz~yon allerhand Kräften, ein meliorationsfähiger Boden ~ für •; einesogenannte jüdische Kultur. Märtin: Und dem versägst-du Anerkennung und dich selbst? Gideon: Gewiß ist es üriterstützungswürdig, eine sehr nützliche, brave Aktion,- in diesem Sinne bin auch ich Zionist. Aber das suche ich nicht. Dieses Kolonisieren ist eine Sache des Kopfes, der Hände, des Magens und?%ines bißchen Gerechtigkeitssinnes ,• sehr schön aber zutiefst unver* bindlich. "Denn die jüdische Frage in mir ist keine Kopf*, noch Hand*, noch Körperangelegenheit, sie ist ein Drang der Seele, eine Not des Mensdien^Ichs, ein Ruf nach Gott: Ich will heinrl Martin: Bedenke," daß 'diese Heimat gerade .Palästina seiiKsWird. —<Man wird, dort hineinWadisen, endlich frei, unter Juden, wir werden ein Volk sein,- eine Brüderschaft auf tiefvefbtfndenen Gemeinsamkeiten und * damit:• ^zü Haus, Gideon: Noch verstehen wir uns nicht. Wo für dich der Zionismus aufbort, nämlich In einem gutverwalteten, blühenden Judenpalästina, da fängt för midi die jüdische Frage sichtbar erst an. Der Geburtstag des rieueii jüdischen -Staatsbürgers ist nicht der Geburtstag der neuen jüdi* . sehen Kultur. M a r t i n i Ungeduldiger, wie kann so schnell die neu entstehende Gemein* schaft Kültürwerte schaffen? G i d e o n : Nicht um Langsamkeit traüere ich / nicht jüdische Sozialsiedlung, jüdische Wissenschaft, jüdische Kunst — ob langsam, ob schnell sie dort ^„kommen — können das geben^ was-jüdische Heimat ist : Einkehr zu Gottf ' Mar tili: Aber sie geben die^ Einkehr in die Gemeinschaft, und das allein ist _ der Weg zu Gott. Man kann nicht als Einzelmensch zu - realer und religiöser Erfüllung kommen, sondern Immer nur durch die Gemeinschaft des Volkes. Gideon: Es gibt nur Gemeinschaft der Einzelnen und es gibt geo* graphische Zweckverbände, »Staaten«. Diese haben mit Gott nichts zu tun, ^und jene sind unabhängig von typisch gefärbter Kultur. Martin; Kultur ist immer ein Typus. Gideon: Mag sein/ aus "großer Entfernung gesehen, geschichtlich Doch wenn man sie lebt, so kommt sie unmittelbar vom Einzelnen her, Licht Gottes. " y M a r t i n:. Nicht im Ding, im Feuer, im Menschen Mose, sondern im Wehen des Windes erschien ihm Gotty in dem, was verbindet und bewegtrNicht im einzelnen Ich. Sieh es doch an: wodurch wird mein „Leben. Veit und innig zugleich? Durch die Hingabe. Durch das Ein* gliedern in die Gemeirisdiaft,- der man mit ganzer Kraft und Seele dient. \ *" . Gideon: Warum nur den Juden? Martini Wetf jeder nun einmal am besten zu seinesgleichen sich fügt. Das gibt dann : Kultur; 7