Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Von der Schande unserer Namen. 373 ernstes-Proplemc sehen und für die wohlgesetzte, gutbürgerliche Argumente mif klüglichem »Zwar'—aber«, mit »zumindest«, mit »allerdings« usw. nötig sind (denn wäre ich so, dann -würde ich zunächst die von Ihnen in Aussicht gestellten weiteren Elaborate abwarten),- nein, ich fühle mich als ein Glied jener jüdischen Jugend, die Ihre Forderungen unbedingt billigt und' billigen muß,> und die keinen größeren Stolz kennt oder kennen würde, als einen jüdischen Namen tragen zu dürfen. Und doch —' obwohl dies für mich, um wieder mit Ihren Worten zu reden, »eine selbstyerdas Opfer bringen, meinen nichtjüdischen Namen geduldig und ehrlidi zu tragen/Und zwar aus folgendem Grund: Sie gehen in Ihrem Aufruf von einer falschen Prämisse aus, wenn Sie rsagen, der Vorname sei »im Gegensatze zum Familiennamen ein <von den Eltern) freiwillig gewählter . \ .« (übrigens ist der Ausdrück »von den Eltern freiwillig", gewählter« an und für sich schon ein conträdictio in adjecto I). —* Der Vorname ist eben auch nicht ein freiwillig, sondern ein von den Eltern gewählter, und wie Sie richtig sägen, eine Art Bähnzettelmit dem uns unsere Eltern ans Deutschtum, Polentum oder . tJrigartum gewiesen haben. Der Umstand, daß mir ein solcher Bahn?;ettel .aufgeklebt wurde, beweist für meine Person fär nichts / er besagt nur — und dSas brauche und darf - ich kraft meiner Ehrlichkeit nicht verleugnen — daß mir meine Eltern einen bestimmten Weg ausersehen haben,- daß ich Riesen Weg nicht gehen will, wird allein mein Lebenswandel zu beweisen haben. Im ÄugenbJfdke/ wo in meinem Geburtsscheine ein nichtjüdischer Vorname eingett ageij ist <und ^Ibst, yenn in den Matrikeln, die kein Mensch je zu Gesicht bekömmt, ein jüdischer Name steht), bin ich, solange nicht eine behördliche Än^ derung erfolgt ist, als ehrlicher Mensch nun einmaLan diesen Namen,, mag er mir aüch noch so antipathisch sein, immer und überall gebunden, genau So wie etwa an einen widerlichen deutschen Zunamen> an dem ichebenso unschuldig hin? — .Verwerflich wäre der fremde Vornaixie dann, wenn jemand etwa zwei Namen, einen jüdischen und einen nichtjüdisefaen im Geburtsschein stehen hätte,' und sich dabei im feigen Assimilationstrieb absichtlich bei dem nichtjüdischen nennen ließe1 oder gar, wenn im Geburts^ schein einfach ein - judischer Name eingetragen ist, der betreffende aber diesen jm täglichen Leben in das Lügengewand eines nichtjüdischen Namens vermummte. In vielen Fällen, aber <und in dieser Beziehung wird mir besonders die westjüdische Jugend zustimmen!) istdie Schande unserer Namen nicht unsere Schanoe, sondern höchstens — immer von unserem fadk kalen Standpunkt aus gesprochen -^die Schande unserer Eltern. Ver^ antwortlich sind wir erst für die Namen des künftigen. Geschlechtes: die Namen unserer Kinder, die werden wir wählen dürfen und die sollen jüdfsch sein l- Louise Farchy. 27