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Jerubbaal · 1919-01-01 · 10-11 (Jänner Februar 1919) · p. Seite 371

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
10-11 (Jänner Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 371 (sequence 17)
Language
German
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Die Gesdiic&te der Sdiomrim-Kwuzäh Lilith. 371 Von der Liebe sprach ich hier, Brüder, und votf Freundschaft und die Geschichfeeiner Kwuzah erzähle ich Euch; Muß denn Liebe und Freundschaft ein Xrauirt sein, ein schöner Traum, der ausgeträumt werden muß? Sind wir nur für Traume geschaffen, müssen wir nur auf Rosen treten? Es verwelken die Blumen, doch die Nadeln sind immergrün. Und die Nadeln stechen! Die vergangenen- Monate .zeigten uns wie map anders leben kann, sie lehrten uns, viel von sich selbst und anderen verlangen- In rasendem Lauf verschwanden sie« * Kaum hatten wir Zeit nach rechts und nach links zu schauen und in uns selbst zu gehen. Ein großes Stück Weg liegt schon hinter uns, doch ein noch größeres breitet sich vor uns aus. Langsamer wird utlsere Arbeit, das kann uns aber nicht abschrecken. Defin nicht nur auf dem. Zauber persönlichen Zusammenlebens, sondern auf der Gemeinsamkeit der Bestrebungen und der Einheit des Ideals beruht unsere Arbeit: Ausdauer Brüder, Ausdauer! Es kam der Winter, Winter, der du alles mit einem weißen Sterbekleide bedeckst, der du keine Freude i|nd keinen Schmerz kennst. Keine Freude des Frühlings uiid keinen Schfaerz des Wintens! . . . . Winter, der dir die , Erde mit Todesarmen umfängst, keinen Tod bringst , du döcfc sondern Ruhe. Es ruht die Erde und sammelt Lebens^ säfte, mit denen sie im Frühling Kräuter und Bäume nähren wird. Kobolde und tose Geister, die in den Herbstnächten ihre Reigen aufführen, schließt du in Ketten aus Eis, und Ruhe bringst du jedermann. Auch un£ brachtest Du Ruhe nicht Tod. Denn sterben kann man an Über^ maß von Schmerz oder Freude. Du aber kennst keinen Schmerz und keine Freude o Winter! Rühe. Es vertiefe sich jeder in sich selbst und sei auf sich selbst bedächt. Es bereite sich jeder der Erde gleich für den Frühling vor, für seinen Frühling. Es gehe jeder in eine menschenleere Wüste und lebe nur mit sich und finde den Weg" zu sich selbst. Denn, glaubet mir Brüder, man kann -nicht immer Menschen vertragen und sogar des Freundes Angesichtes wird man oft uberdrüßig. Im Wirren und Hasten verliert oft der Mensch sein eigenes Ich und der Mensch muß doch e i* se l b s t sein. Und sowie die Erde eine Ruhezeit hat, so muß auch der Mensch ausruhen, in sieh selbst gehen, um selbst zu werden. Winter, der du uils Rühe brachtest, gesegnet seist du. Resignation war oft diese Ruhe und nahm des Todes Angesicht an, doch im Inneren eines jeden von uns bildeten sich neue Lebenskräfte. Und Gott hauchte in Naftali den Geist des Korach ein und ließ ihn die Wolken sehen, die sich am Horizonte ansammelten. Als jedoch die Kwuzah in ihren Grundfesten erzitterte, da war Moscheh gleich an der Stelle und stützte die wankenden Säulen. »Zu große Wünsche hat der Frühling in uns geweckt zu große. Sie revolutionierte so rasch die Art unseres-Ftihlens und Denkens/ daß es uns jetzt auf einmal zu dumpF und zu eng ist.« —- Und zuweilen wieder^ da wehte ein Frühlingslüftcheh und da saßen wir stundenlang zusammen plaudernd und singend; Erinnert Ihr Euch noch, wie Naknik sang oder Gedichte vorlas. Erinnerst du dich Naknik Und auch* Ihr alle, die vor dem neuen Frühlingsanbruche zum

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