Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 369 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die öesdiidite der S<fiomrim*Kwuzah ILilitfi. 369 Draußen; werteten schon Schatten, in schwarze Mäntel gehüllt. Wir ' stiegen auf einen Hügel und setzten uns mit dem Angesicht gegen Osten. Im Osten tagte es schon. Weiße Nebel,s die Wald und Berge einhüllten, begannen sich zu liditen und färbten sich rosig. . Bald-erglänzte vor unseren Augen das silberne Band des Baches. Wie Blut erglänztendie Tautropfen, wie Korallenketterr. Hinter den Bergen ging die Sonne .auf. ... *rthD-w annn ty„ - wn qip?5 begann jemand zu singen. Und^alle fielen wir ein aus voller Brust: K^B" fBXIÖ Wl ' "nbwrt npai mwta Wie viele Wunder gibt es doch in der Natur, wie viele Töne und Farben! Man muß nur zu fühlen, schauen und horenverstehen. Solche Nächte lehren fühlen, schauen und hören. Und der wilde Wein auf den Abhängen des Wienerwaldes begann sich immer mehr in die Höhe zu recken,, dünkler ward das Grün der Bäume, dünkler« das Blau des Himmels. . Durch'Wald und Berge erschollen "unsere Lieder. In den Wäldern und Bergen verlebten wir nicht wenige schöne Stunden. Denü Form des Lebens und. Zusammenlebens ward uns der Ausflug. In den Sommermonaten wurden wir in großen Zügen mit der Schomertechnik bekannt. .Wir befaßten uns vor allem mit Übungen, die die Sinne bilden und die Selbständigkeit fördern. Wir -gingen oft zerstreut durch -Berge und Wälder und die einzige Aufgabe jedes einzelnen von uns war zu schauen und zu horchen und sich nichts entgehen zu lassen. Ein andermal wieder zerstreuten wir uns nach verschiedenen Richtungen und die Auf* gäbe eines jeden von uns war durch eine gewisse Zeit irgend ein, lebendiges Wesen zu beobachten, es sei dies eine Ameise, ein Vogel oder dergleichen; Auf den nächtlichen Ausflügen eigneten wir uns Gewandtheit im Lagern, im ^Aufschlagen von Zelten und Aufbauen von Küchen an. Wir lernten in der Natur zu leben und uns selbst zu genügen. Es ver^ schwand die "Nervosität der Golus^Seele. Die Natur lehrte uns Schöna heit, Harmonie und Einfachheit. Wir lernten schweigend dufch stille Wälder gehen und, den Frieden nicht zu stören. " Wir lernten schweigend schauen und bewundern die Schönheit der Natur um uns. Und oft ist das Schweigen viel wahrhafter als" ein ganzer , Strom geräuschvoller Worte. Wir schrieben tins in eine Bibliothek eifi und lasen verschiedene Bücher aus dem Gebiete der Judaistik, der'Naturwissenschaften und der alfge^ meinen Literatur. Manche Bücher besprachen wir zusammen, aus andern wieder »lasen vvir Ausschnitte. Audi vermieden wir nicht, die ganze Reihevon Problemen, und Fragen, die sich auf die Lippen eines jeden jungen- Menschen drängen, ausführlich durchzusprechen. Und der Typus des idealen Schomer^Menschen schwebte immer vor unseren Augen. Auf jedem .Schritte bemühten \pr uns die Eigenschaften und Merkmale des Charakters, die