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Jerubbaal · 1919-01-01 · 10-11 (Jänner Februar 1919) · p. Seite 365

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
10-11 (Jänner Februar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 365 (sequence 11)
Language
German
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Dte Gesdrichte der -S&omrim~Kwazah Lilith. 365 . II. Frühling. Frühling* Ringsherum knospte und blühte und wuchs es von Tag zu Tajf, von Stunde zu Stunde. .Lind auch-in unseren Herzen begann es zu knospen und zu Mühen. In den. Gärten dufteten der Flieder und der Jasmin. Am Ufer der Donau öder 1h Gärten kamen wir an' Abenden zu Besprechungen zusammen. Ich erzählte.meinen Kameraden vonmeinenr Ideal eines Menschen. Ich sprach ihnen weder von Gesetzen noch Geboten, weder von Ethik noch Moral. Idr vertraute ihnen wie ein Freund dem Freunde, das Ideal, das ichin meiner Seele geahnt uqd entwickelt hatte, -an.; Das. Ideal eines Mensche«. Ich beobachtete die uns umgebende Weit, die Schar unserer Altersgenossen, verglich ihr Leben mit dem unsrigen im Schomer, und fühlte mich glücklich. Ihr Leben ist ein Fiirt, ein Flirt mit . der Schule, mit den Mädchen und bestenfalls mit hübschen Büchern und schillernden Gedanken^ Ein Leben ohne leitenden Faden, qihne Ideal4 Sie wissen heute nicht, was sie morgen ^anfangen werden. Jeder Tag, jede Stunde und: jede Minute ihres Daseins ist ein Fragment für sieh. Die Edleren unter ihnen machen eine Epoche des »Weltschmerzes« durch, um in Kürze ebenfalls abgestumpft und gleichgiltig zu werden. Vom* ganzen Herzen mochte ich ihnen ""zurufen; »Ihr habt das Glück zu euren Füßen. Ihr müßt euch nur bücken, um es zu erreichen. Ihr tretet es selbst mit euren Füßen. ÄuSen habt ihr und seht den Stern nicht, der leuchten ja ~-"euch leuchten könnte. Euer Leben lang.« Ich heobachjete sie und fühlte mich persönlich glücklich, empfand jedoch einen Schmerz: wir haben keine Jugend. Stumpf ist ein Großteil unserer Jugend, »ohne Verständnis für Ideale,, .ohne jugendliche Glut in der Seele, die das Herz, erweitert, keine Ruhe läßt und immerfort höher hinaus will zum Ideal. Dieses heilige Feuer muß angezündet werden, die Liebe, die-stärker ist als das, Leben« Die jugendliche Glut muß erst geweckt werden, vorbereitet muß das Herz werden zur Aufnähme unserer Heiligtümer. Denn edle und zarte Pflanzen pfropfen wir in uns und vieler, vieler herzlichen, Wärme bedarf es,. auf daß sie tiefere Wurzeln in unserer Seele . fassen. Auf diese Weise bemühte ich mich anfangs, zu arbeiten. Ich bemühte mich, die Jugendlichkeit zu wecken, in der sicheren Erwartung, daß gleichzeitig auch die nationalen Gefühle geweckt werden und daß sie uni so. sicherer^ in ihnen eine entsprechende Basis finden werden, Auf feiner der Zusammenkünfte lasen wir. zusammen die Vorrede zu d^h »Juden von Zirndorf«> Jedes Wort dieser Vorrede ist ein Funken, der sich ins Herz frißt und brennt. Beileibe! Es brennt. Eine neue Fackel * leuchtet auf dem, dunklen Himmel unseres Wanderlebens auf. Von allen Seiten ziehen Juden* gegen Osten. Aus einem lang anhaltenden Schlafe rüttelt sie der Ruf auf; der Messias, der Messias ist da! Das Herz be^ ginnt schneller zu pochen"; Jeder Nerv zittert. Das Blut kocht in. den Ädern. Die Erwartung hält den Atem an- . . . Das Zaubeflicht ist ent- , schwunden. Der Traum ist ^ausgeträumt. Zusammengestürzt ist die Welt,* in Gedanken ausgehegt. Sabbatai Zewi ist zum Mohammedanismus. über* getreten. In das Herz zieht Schmerz und Zweifel ein.

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