Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 10-11 (Jänner Februar 1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437823--412-3776799- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
"-. 360 > Isadiar Reiß: werten und messen können, dürfen wir sagen r Diese JugendgCmeinlsehaft, deren Geschichte ihr Führer und Schöpfer, hier selber erzählt, bedeutet für unsere Schomerbewegung einen Wendepunkt, eine Tat, deren Folgen,, """und Auswirkungen sich weit und breit auf alle Schomerbünde erstrecken und deren Geist auch das kleinste Schornernest .erfaßt uiid;% revolutio* niert hat. ~ . Um diese große Tat aber in ihrer ganzen entscheidenden-Wichtigkeit voll und ganz einschätzen und würdigen zu können, müssen wir etwas weiterausholen und in die Zeit zurückgehen, die diese Tat begleifet, gefördert und hervorgebracht hat. / -\ Auf dem Wiener Boden, wohin der stürmische Verläuf des Krieges einen großen Teil der*Judenheit Galiziens brachte, trafen zwei in ihren Inhalten und Formerf verschiedene Jugendorganisationen zusammen :^ Zeirei-Zion und Schomer.' Eines jedöch war ihnen Beid&n-gemeinsam: der Wille zum Judentum,- in allem änderen gingen sie * auseinander. Scharf waren die Grenzen, die sie zwischen sich gezogen hatten. Die Zeirei*Ziön entsprach dem Drange der jüdischen Jugend hach jüdischem Wissen, dem Bedürfnis, an die jüdische Vergangenheit wieder anzuknüpfen und sich dadurch wieder in die jüdische Geschightskette einzustellen, dem Willen/ das in ihr schonr wohnende Judentum noch fester zu verankern und vertiefen. Jüdische Geschichte und hebräische Spräche Wurden als die Mittel betrachtet die dies^pi Ziele % zuführen können. Große Gruppen yon Jugendlichen, fast durchwegs Gymnasiästen, schlössen sich gemeinsam zusammen, um. das Studium der Judäistik eifrig zu betreiben. Darauf beschränkte sich ihre Aufgabe. Die Formen, die diesem Inhalte gegeben worden sind, bewegten sich in den von der älteren Generation übernommenen Bähneft. In dieser ganzen Jugendbewe* gurig war 'keine Spür von Jugendlichkeit zu sehen, Diese^ »Bewegung«^ versuchte es überhaupt nicht, ihrem JDrange näqh ^Wissen irgendwelche jugendliche Formen zu geben. Der sie bewegende heiße Wille zum Juden* tum zerbrajbh an den kälten, starren, verknöcherten Formen der Organ!« sation. , * r . \ **" [■ * Das ermitteln des jüdischen Wissens beständ in ginem unjugejidliehen schulmeisterischen/Unterricht. Dem jugendlichen Verlangen nach Schön* heit, Freundschaft und jugendgemäßem Leben war kein Spielraum gegeben. Daher auch die Unzulänglichkeit und- Unfruchtbarkeit dieser ganzen Organisation. Sie erzog keine Menschen, sie vermittelte nur Jüdisches Wissen, und auch das in einer unzulänglichen Weise. Der junge Mensch, der einige Jahre in dieser" Bewegung stand, wurde niefit aur nicht gebessert, sondern noch an Geist und Körper gebrochen. Er wurde an eine hirn« und herzzersetzende Pilpulistjk gewöhnt, die seine Galuthfehler noch fester zu verwurzeln geholfen hat. Wir sehen: Die voh edlem Wollen bewegte Jugend konnte nicht Ihre Eigenschaften £ur Entfaltung bringen, weil sie die von langem her überkommenen- Formen nicht abstreifen konnte und in den alten Vorur* teilen-noch zyx sehr befangen war, um aus sich selbst heraus schöpferische,