Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 354 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437761--401-3776789- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
354 Rundschau. meine ich, daß wir diese Erziehung .an der Jugend unserer Bewegung werden leisten müssen. Elternhaus und Schule haben bisher gründlich versagt <warum Eltern und Lehrer es nicht wagten, uns seinerzeit zu sagen, worauf es ankam, brauche ich wohl nicht erst hervorzuheben), die Kirche ebenso — sollen wir da unser besseres Wissen bei uns behalten, bis wir es auf eigene Kinder anwenden können oder bis es zu anderen Stellen durchgedrungen ist? Audi uns hält hier eine gewisse Scheu noch zurück; wo sie da ist, ist sie Anzeichen für fehlende Klarheit oder Sauberkeit im eigenen Haus. Hier gilt durchaus: Es gibt nidits, was Kindern oder jungen Men* sehen problematisch ist, worüber man mit ihnen nicht reden könnte — vor* ausgesetzt eben, daß man selber damit im Reinen ist. Grundlagen für den Aufbau solcher Körperlehre, wie wir sie für uns selbst und für die Erziehung Jüngerer braudien, sind erst wenig und unvollkommen vor* banden. Wir müssen uns das Nötige selbst zusammensudien. Persönliche, prak* tische Lehre durch solche, die derartiges sidfi zur Lebensaufgabe gemacht haben, ist das beste. Schriftliches ist nieder* gelegt in den Schriften des Mazdaznan* bundes, wobei aber zutrifft, was schon an anderer Stelle über diese Arbeiten hier gesagt worden ist: daß sie aus* gezeichnete Lehren vergraben in einem Wust fast läppischer Ideen und Riten enthalten; es gehört etwas Geduld dazu, das Rechte herauszufinden. Besonders genannt seien: Atem* und Gesundheits* lehre, Wiedergeburtslehre von Hanisch <je io' — M>, Mazdaznan*Therapie von Dr. H. Müller; die Flugschrift Sexualle Aufklärung (~~'io M>, alles Mazdaznan* Verlag Leipzig. Um noch einmal den Blick auf die Folgerungen zu lenken, die aus diesen Forderungen entspringen, möchte ich zum Schluß noch auf ein Buch eingehen, von dem hier schon einmal kurz die Rede war. Dr. med. F. Landmann: Die Reform des menschlichen Geschlechtslebens. I. Teil. Eden*Verlag. Gut ist diese Schrift inso* fern, als sie schonungslos den Finger auf die Folgen der Entartung des menschlichen Geschlechtstriebes legt, der wir heute alle durch Vererbung oder unwissende Gewohnheit zu ver* fallen drohen ~- oder pflegen. Land* mann hat recht, wenn er sich gegen den Geschlechtsverkehr« wendet, bei dem den Menschen <besonders dem Manne, der durch die herrschende doppelte Moral und seine größere Ungebundenheit der Entartung stärker verfallen ist) die Ausgabe der Keimdrüsensäfte zur »Aus* scheidung< geworden ist, die er täglich oder öfter »nötig hat« wie andere Aus* Scheidungen. Diesem Qberreizungszu* stand gegenüber weist er auf den heute noch vorhandenen, aber durch die Bru* talität der bestehenden Eheordnung unterdrückten Instinkt der Frau gegen weiteren Verkehr während der Schwanger* schaff und Stillzeit hin. Von hier aus, also durch eine Befreiung der Frau, um deren natürlichere Einstellung wieder zur Herrschaft zu bringen und durch eine allmähliche erbliche Entlastung der Jugend durch naturgemäße Erziehung -~ glaubt Landmann eine Reform des Geschlechts* lebens angreifen zu können. Bei seinen Überlegungen wird das Ziel, auf das letzten Endes alle solche Reformbestre* bungen hinauslaufen müssen, ganz deut* lieh, und hier können wir unsere eigene Einstellung noch einmal gut prüfen. Landmann läßt sich durch die offenbar entarteten und besserungsbedürftigen Auswüchse des Problems dazu verleiten, den Konflikt der in diesen Ausläufen sicher zu erblicken ist, überhaupt be* seitigen zu wollen. Er denkt an die Wiedergewinnung eines Urzustandsver* hältnisses; das will er erreichen nicht durch eine Wiedergeburt der Urmenschen* instinkte <denn das wäre wohl kaum möglich ohne eine Rückbildung der ge* samten menschlichen Kultur), sondern durch geistige Disziplinierung auf der Grundlage vernünftiger Körpererziehung. Aber für ihn ist die geschlechtliche Ver* einigung nur Mittel zur Fortpflanzung, was wir ausdrücklich ablehnen müssen-