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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 355

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 355 (sequence 73)
Language
German
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Büchereinfauf. 355 Nehmen wir es aber an, so ergibt sich daraus natürlich die Pflicht völliger Enthaltsamkeit für die Dauer von min^ destens IV2 Jahren. Was aber heißt das? Wer einigermaßen ehrlich ist, weiß, daß sein Körper heute dazu unfähig ist. Und sollen wir dann die äußere Form wahren, wenn sie ganz offenbar eine Lüge ist. Daß man heute dazu neigt, kommt daher, daß man die Folgen unserer körperlichen Geartetheit weniger klar sieht, wenn die äußere Form Enthaltsamkeit gewahrt ist. Letzten Endes verschleiert diese Forderung aber das eigentliche Problem, welches unlösbar ist, d. h. dessen Zwiegespaltenheit uns so oder so zerstört: es macht uns glauben, es wäre mit uns alles in Ordnung, »wenn wir nur wollen«. Und noch ein* mal: was heißt das, Enthaltsamkeit. Hier zeigt sidi die ganze Halbheit dieser Predigten: es kann sich, wenn man es wirklich ernst nehmen will, dann doch nicht nur um die Enthaltung von der zeugenden Vereinigung handeln, sondern alle jene feineren, verlaufenden körper* liehen Ausdrucksformen müßten ebenso verbannt werden. Beim Urmenschen war das gewiß so. Wir sind jedoch eben keine Urmenschen mehr, auf gar keine Art und Weise, und gerade die Be* Ziehung der Geschlechter hat eine von der gesamten anderen Kulturentwicklung untrennbare Wandlung durchgemacht. Wir können niefit mehr zu dem Zustand zurückkehren, wo Männchen und Weib^ chen einander nur für die kurze Zeit der Paarung etwas angehen. Die äußere Form, die eine Lösung im Sinne Land* manns etwa würde annehmen müssen, ein Zusammensein auf rein zwecklicher Grundlage <zur Aufzucht der Kinder), oder auf rein geistiger <als »Kameraden«) scheint mir auf absehbare Zeit, ja wohl für immer, als Endziel unmöglich und unschön. So ist das Problem also nicht zu lösen: die Voraussetzung ist falsch! Es ist ein Zeitproblem und kann als solches nur gelebt werden, als Zwiespalt, Leiden, Not von dem Unaufrichtigen, als tragische Weltaufgabe, freie Tat und Erfüllung von den Aufrechten, Sehenden. Alfred Kurella. | Büdier (Besprechung ABELES, Otto/ Jüdische FlüAtlnge,- Szenen und Gestalten. Löwit, Wien 1918. BECKER, Rafael/ Die jüdische Nervosität, ihre Art, Entstehung und Bekämpfung, Speidel <3D Wurzel, Zürich 1918. EBERHARDT/ Die jüngste Jugendbewegung,- Tatbestände und Untersuchungen. A. Haase, Prag-Wien 1917. <Wüstes Schimpfen auf Jugend und Jugendkultur, Verdrehungen, Lügen,- Die bekannte Art der »erfahrenen Pädagogen und Schulräte«. - B.) ELLIOT, George,- Daniel Deronda, Roman. Jüdischer Verlag, Berlin 1918. <Ohne Kunstwert/ aber nicht uninteressant als Dokument der Gesinnung eines arischen Jugendfreundes. — B.) vorbehalten.) FELDMANN, W. M.; The Jewish Child, its history, Folklore, Biology et Soziology Baillire, Tinda! Co., London 1917. <Überaus wichtig und interessant,- beste Darstellung der Stellung des jüdischen Kindes und Jugendlichen im Ganzen der alten und neueren jüdischen Gesellschaft. Sollte baldigst ins Deutsche übersetzt werden. <— B.) GRETOR, Georg; Jugendbewegung und Jugendburg. Fischer, Zürich 1918. <Der frühere Herausgeber des * Anfang« schlägt eine internationale Ju=r gendorganisation vor. — B.) HILLER, Kurt; Tätiger Geist! Zweites der Zieljahrbücher. Müller, München 1918. (Besonders beachtenswert sind in diesem Buche die Aufsätzer Hans Blüher, Der Bund der Geistigen,- Ver~

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