Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 348 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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348 Vom Leben der Jugend. von uns Erhoffte und für nötig Befundene verwirklicht werden kann. Gerade dieser Gedankengang liegt der Jugend im allgemeinen am fernsten und den muß sie lernen in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen zu stellen. Ich zweifle nicht, viele Leser werden nach derselben Richtung hin von dem Buche unbefriedigt bleiben, in der ich selbst auch seinen schwersten Fehler erblicke / daß. es nicht beweist, daß es nicht ganz und gar sachlich ist, daß es nicht ein wissenschaftliches Gebäude darstellt. Vielleicht ist es zugleich ein Vorzug, dennoch bleibt es ein Fehler. Und ich möchte sagen: Es muß diese Arbeit geleistet werden, sie kann aber nicht Sache eines Einzelnen sein, schon gar nicht seine Leistung in wenigen Monaten oder Jahren. Gerade das ist unser aller Aufgabe: was wir als Recht fühlen, was wir als nötig hoffen, in all seinem Zusammenhang mit allen anderen Dingen und Bestrebungen, mit strenger Sachlichkeit und fest gebunden an die Tatsachen und ihre Gesetze, zu erkennen, zu formulieren, als tragen* den Untergrund des künftigen Gebäudes hinzustellen. Wenn ich hoffen dürfte, daß das die Folge meines Buches sein wird, daß in der jüdischen Jugend der eine und der andere den Beschluß faßt, mehr als nur das Fühlen und Denken einer freien Stunde in den Dienst unserer wichtigsten Aufgabe zu stellen, jener Aufgabe, für die wir dreifach verantwortlich sind als Menschen, als Juden und als Jugend, der Erziehung als Kunst und als Wissenschaft zu widmen, dann darf ich es in Ruhe an seine Leser kommen lassen, trotz aller Fehler und Unzulänglichkeiten, die es haben mag, ob ich sie nun selbst erkenne oder nicht Siegfried Bernfeld. __| Vom Lebei Der neue Anfang. Die grünen Hefte des »Anfang«, der Zeitschrift der Jugend, erscheinen wieder. So hat die deutsche Jugend wieder eine Tribüne, auf der sie frei von jeder Bevor* mundung zu Worte kommen kann. Der »Anfang«, dessen erstes Heft im April 1913 erschienen ist, hat das Verdienst gehabt — ich, darf davon sprechen, weil ich zwar als Wiener Herausgeber zeich* nete, aber Idee und Führung der Zeit* schrift so gut wie gar nicht mein Werk, sondern das Barbizons war — die Stimme der Jugend der Öffentlichkeit vernehmbar gemacht zu haben. Zwar Schülerzeitschriften gab es schon vorher die Menge, aber ihr Inhalt war nie über die Sphäre der Literatur, Kunst, des Theaters und des Inhaltskreises von Schüler vereinen oder d£s Wandervogel der Jugend. 1 hinausgegangen. Im »Anfang« aber sprach die Jugend ~- und auch eindringlich, leidenschaftlich genug — über die Schule, über das Elternhaus, über ihre sexuelle Not, über ihre geistigen Forderungen, über Art und Wesen ihres eigenen Zu* Standes. Das füllte die 16 erschienenen Hefte des Anfangs. Und wenn viel* leicht auch früher schon irgend eine Zeitschrift diesem Probleme gewidmet gewesen sein sollte — wer könnte dies mit völliger Sicherheit bestreiten? — so war doch dem Anfang als erstem be* schieden gewesen, aus dem engen Kreis der Verfasser, in den sonst jede Schüler* Zeitschrift gebannt bleibt, aus dem immer noch kleinen Kreis einer Jugend* gruppe, auf den alle Vereins*, Studenten*, WandervogeUBlätter beschränkt bleiben, hinauszutreten und die erwadbaene deutsche Öffentlichkeit anzuregen, suf*