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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 346

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 346 (sequence 64)
Language
German
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346 Siegfried Bernfeld: Mensch. Viele solche Menschen bilden eine Jugend, den Mutterboden, aus dem die Natur neue Saaten aufsteigen läßt. Wo ein neuer Stil entsteht, sind es immer nur die Ganzen, völlig Runden, ganz hingegebenen Menschen, die den Lebensformen der Ge* meinschaft ihr Gepräge geben. Die jüdische Jugend braucht freie Mannig* faltigkeit in allen ihnen Lebenskreisen, damit die Formbegabten, in der Gemeinschaft schöpferischen Individuen, sich entfalten können. Selbstanzeige. In diesen Tagen ist mein Buch »Das jüdische Volk und seine Jugend«* erschienen. Ich habe es mit keinerlei Vorwort und Nachwort umrahmt, denn es scheint mir, als hätte dies ein gutes Buch nicht nötig, als wirkte es für sich allein genügend und als würde es einem schlechten doch nichts nützen. Ich lege es dem Leser vor und er wird selbst entscheiden, was ich damit wollte und was ich von diesem meinem Wollen verwirklichen konnte. Aber der jüdischen Jugend möchte ich doch an dieser Stelle ein paar Worte sagen. Zunächst: Ich möchte sie bitten, dieses Buch zu beachten. Darum, weil hier meines Wissens zum ersten Male im Zusammenhang das dargestellt wird, was die jüdische Jugend vom Denken und den Ergebnissen der Pädagogen anderer Völker wissen muß, soll ihr das schwere Werk gelingen, das ihr aufgetragen ist. Freilich, das Buch, von dem ich spreche, ist in keinerlei weise ein wissenschaftliches. Es wird darum niemand darin finden die Nacherzählung der Gedanken anderer in irgend einer geordneten Aufzählung, sondern ich habe versucht, so wie ich Stanley Hall, Maria Montessori, Berthold Otto, Gustav Wyneken ver^ standen habe, ihre Gedanken anzuwenden auf ein konkretes Problem, auf die Gestaltung der jüdischen Erziehung, auf das Leben der jüdischen Jugend. Das Buch ist ein persönliches. Es argumentiert nicht, es beweist nicht, sondern es ruft auf. Ich bekenne, was meine Anschauung, was meine Wertung, was mein Wunsch und meine Hoffnung ist, so klar ich es vermag, so eindringlich als mir gegeben ist und hoffe, daß sich gerade in der jüdischen Jugend solche finden werden, die hier ihre eigenen Gedanken, Anschauungen, Wertungen und Hoffnungen bekannt finden. Das Buch handelt von dem, was uns nottut. Aber jeder wird enttäuscht sein, der es mit der Erwartung öffnet, darin ein »Erstens«, »Zweitens« und »Drittens« zu finden, eine Anweisung für das, was er heute tun und morgen unterlassen soll. Diese Anweisung kann nicht gegeben werden, und wehe einer Jugend, die erst solche Rezepte braucht, um ihren richtigen Weg zu gehen. Auf nichts ist es mir angekommen, als darauf, die allge« * Verlag R. Löwit. vorerst nur ein Anfang, aber ein Rudolf Glanz.

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