Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 341 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nadi dem Jugendtag in Berlin. 341 weiten Volksgemeinschaft <»weite Volksgemeinschaft« als Gegensatz zur engen Du^Gemeinschaft). Das die Aufgabe. Wie die Lösung? Ich bin in den 22 Jahren meines Lebens in das Deutsch-Europäische hineingewachsen, daran aufgewachsen. Rembrandt, Thoma, Bohle usw., Eichendorff, Hölderlin Shakespeare usw. ist ein Teil von mir geworden. Ein Teil/ daneben klafft ein Abgrund, den sie nicht auszufällen vermocht haben. Und es ist so, daß gerade dieser Abgrund letztens unser Leben bestimmt hat, und nicht das, was wir auf unserem Wege an Deutschem erworben haben. Woher denn sonst unser Suchen, das Fühlen jener Unharmonie, des nicht-ganz*Seins? Wir sind Gäste, Hausfreunde,- aber wir sind nicht im eigenen Hause, unserem erweiterten Selbst. Wir ersehnen die Heimat. Das ist meine Übersetzung der Worte Galuth und Zion. Zion? Liegt uns denn Zion in Palästina? Müssen, ja dürfen wir denn nach Palästina gehen? Tief hat mich heut und gestern ergriffen die Notwendigkeit, das Nichts anderskönnen, das vielen Kameraden Palästina bedeutet. Ihnen ist das Land der Urväter lebendiger Inhalt. Da war nichts von kühler Erwägung oder sentimentaler Sehnsuchtsphrase. Vergleiche damit unser Ver^ hältnis zu Palästina, wenn Du überhaupt unser bisheriges vages Hin^ blicken als ein Verhältnis schon bezeichnen willst! Was ist uns die Geschichte unseres Volkes? Nichts! Und warum nichts? Weil wir sie nicht in uns erlebt haben, ja weil unser Wissen von ihr weniger als nur Stückwerk ist. Ist uns die Geschichte wieder lebendig, ihr Sinn uns Forderung geworden, dann wird auch Palästina wieder unser Vaterland geworden sein. Doch so erscheint es mir nur,- vielleicht überfällt uns in unserer Arbeit, wie ein Geschenk des Himmels, jene inbrünstige Sehnsucht, deren Erfüllung die Erde Jerusalems ist. So müssen wir uns bescheiden, und wahrhaftig sein im vorläufigem Verzicht. Eine Begründung der Notwendigkeit Hebräisch zu lernen, brauche ich Dir ja nicht zu geben. Aber eins ist mir brennend: Können wir jüdische Religionsform übernehmen? Oder vorher: Ist unsere Religion jüdisch? Die Antwort kann nur jeder für sich geben denn Religion ist, solange sie nicht Ausfluß volkhaften Lebens, z. B. einer Gemeinschaft ist, Sache des Einzelnen. <-* — Es wird viel gesucht und gestritten, ob wir die Form übernehmen sollen, in der für unsere Vorväter Inhalt gelebt hat. Der Inhalt ist für uns nicht mehr derselbe wie früher. Wir wollen für unser Erleben die entsprechend wahre Form. Daß wir diese nicht von heute auf morgen erringen werden, weiß ich. Ich weiß auch, daß wir sie nicht im Einsamsein finden werden und können. Der Weg mit den Vielen ist uns irgendwie gesperrt, mögen wir auch die Welt lieben. Was hätte uns sonst aus den Gemeinden, Häusern und Betstätten vertrieben? Offen ist uns aber der