Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 340 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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340 Curt Nelken: keit und Verläßlichkeit könnte ich mich sehr wohl befreunden, falls Sie nur mit diesen Worten ungefähr dasselbe meinen, wie ich, was mir recht wahrscheinlich ist. Aber es scheint mir doch nicht zureichend zu sein, es fehlt mir mancherlei dabei, das einfach nicht vermißt werden kann. Erlauben Sie mir,_daß ich zum kritischen Teil Ihres Briefes, wo Sie nämlich von der Jugend sprechen, die in der Zeitschrift Jerubbaal schreibt und von der Sie ganz mit Unrecht anzunehmen scheinen, daß ich sie erziehe, für heute nichts erwidere. Sie finden in einem der nächsten Hefte des Jerubbaal einen ausführlichen Aufsatz von mir selbst, der eine, wie mir scheint, nicht sehr gelinde Kritik der heutigen jüdischen Jugend* bewegung und ihrer Äußerungen enthält. Ich bitte Sie mir zu verzeihen, daß ich Sie auf Gedrucktes verweisen muß,- es gestatten mir aber meine augenblicklichen Umstände leider ganz und gar nicht, so wie ich gerne möchte, einen ausfuhrlichen persönlichen und brieflichen Verkehr mit all denen zu führen, die so wie Sie, mit tiefem Ernst an jene Fragen herangehen, die heute bedacht werden müssen und nur im Geiste der Versöhnlichkeit und des Ernstes erörtert werden können. Mit Zionsgrüßen Ihr Siegfried Bernfeld. Nadi dem Jugendtag in Berlin. Mein lieber Franz! Der Jugendtag ist zu Ende. Meine Hoffnung war kein Wahn. Sie ist erfüllt worden, wenn auch ganz anders, als vorauszusehen war. Ich bin aus der Tagung fortgegangen mit dem Entschluß zu arbeiten. Weißt Du, nicht so nebenher, sondern Arbeit als Zentralpunkt des.Seins. Über einzelne Referate wirst Du später in Zeitschriften Berichte finden. Ich glaube, daß ich Dir jetzt sagen kann, wie ich zu all' dem stehe. Ich fühle mich durchaus Jude und den Juden nahe. Nahe den Juden gerade in dem, was, oder besser wo zwischen uns und der christlich* deutschen-europäischen Masse eine feine, aber entscheidende Wolke ist. Mich eint mit allen wollenden Juden die Sehnsucht nach der Einheit von Mensch und Welt, Tudenhaftigkeit und Leben. Ich, d. h. der Jude in meiner Anlage, ist das Gegebene,- das Leben, das ist der schöpferische Weg durch die Welt, das zu Erfüllende. Was ich — wir —' mit allen Menschen gemein habe, ist Forderung der Vollendung des Menschen,- <ob im Sinne Nietzsches oder nicht??). Einklang des Lebens ist nur dort, wo das Gegebene — die Ur^ Substanz —- zur Harmonie ausgelebt werden kann, wo zwischen dem uf* sprünglichen Ich und der Umwelt keine Dissonanz ist, wo beides in einem sich gegenseitig befruchtenden Verhältnis wirkt. In der mütterlichen