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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 339

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 339 (sequence 57)
Language
German
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Briefwechsel über die Formen der jüdischen Verbindung, 339 Sinn oder Erfolg hätte. Ich glaube in Bezug auf die Tapferkeit liegt das große Verdienst der Verbindungen darin, daß sie der jüdischen Jugend gezeigt haben, daß man auch als Jude tapfer sein kann und eine Ehre im Leihe haben. Das war damals zweifellos nötig, aber heute, ich bitte mir das wirklich zu glauben, ist die jüdische Jugend nicht mehr so verkommen, nicht mehr so bis ins Mark feige und unsicher, daß dies nötig wäre. Mehr noch: ich leugne schlankweg, daß wir in irgendeiner Hinsicht unsere Aufgaben danach einzurichten haben, irgend ein Vor> urteil, oder auch ein gerechtes Mißurteil abzugewöhnen. Nach meiner Meinung haben wir, wenn es sein muß borniert, uns auf uns selbst zu stellen. Wenn wir die Probleme, die uns unsere Gegenwart stellt, wirklich klar erfassen und zulänglich lösen, dann, so bin ich überzeugt, wird uns das Lob, die Achtung, das Vertrauen der Nichtjuden ganz von selbst fruchten. Und darum meine ich, daß die Frage der Ehre und der Tapferkeit im gegenwärtigen Moment, wie die heutige Jugend beschaffen ist, wie sie beschaffen sein sollte, ganz und gar nicht aktuell ist. Mir schiene beinahe viel wichtiger, einmal Tapferkeit und Ehre, wenigstens so wie die Begriffe heute im allgemeinen gefaßt werden, gründlich in Frage zu stellen,- das wäre nach meiner Meinung eine sehr notwendige Leistung. Wenn ich vielleicht den Verbindungen den Vor^ wurf assimilierten Denkens gemacht habe, oder wenn ich jedesfalls im Begriffe bin, es jetzt zu tun, so wirklich nicht deshalb, weil die jüdischen Verbindungen die eine oder die andere Form von den Deutschen über^ nommen haben, sondern deshalb, weil sie noch ein großes Gewicht darauf legen, wie die Anderen eine Handlungsweise, eine Form oder eine Tat ansehen werden und weil sie bemüht sind, all ihr Tun oder doch einen sehr beträchtlichen Teil davon so einzurichten, daß die anderen zufrieden sind. Das scheint mir Assimilation zu sein, und zwar eine verderbliche. Wir haben wirklich weder Zeit noch Kraft, dies nebenbei auch zu tun, wir müssen wirklich sehen, daß wir vor uns selbst, vor unserer Vergangenheit, für unsere Gegenwart und Zukunft zulänglich sind. Alles andere muß uns gleichgiltig sein, so schwer dies gewiß in marichen einzelnen Fällen uns werden mag. Ganz ferne liegt mir auch, nur im geringsten verächtlich von den Menschen zu denken, die in den Verbindungen leben und aus ihnen her^ vorgegangen sind. Im Gegenteile, weil ich sie für wertvoller halte, weil ich vielen von ihnen noch mehr Achtung entgegenbringe als ohnehin jedem jungen Menschen, liegt mir daran, säe nicht auf einem vielleicht falschen weg zu wissen, möchte ich gerne klar machen, was mir so deutlich yor Augen steht, wie sie in eine schiefe Situation geraten, an Wirksamkeit und Fruchtbarkeit gemindert werden, wenn sie, die gerade als Studenten die Führer der Jugend sein sollten <wenn ich schon nicht die etwas anmaßliche Behauptung teile, daß der Student der Führer des Volkes ist) beim Verharren in ihren gegenwärtigen Formen und bei ihrem gegenwärtigen Verhalten notwendigerweise sich von der Jugend entfernen müssen, die heute schon weiter ist als Sie, wenn ich Ihren Brief richtig verstehe, anzunehmen scheinen. Mit dem Ideal der Treue, Tapfer^

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