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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 338

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 338 (sequence 56)
Language
German
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338 Briefwechsel über die Formen der jüdischen Verbindung. Formen und sie fruchtbar machen können für die Aufgaben der jüdischnationalen Verbindungen. Es drängt sich mir immer aufs neue auf, daß doch gewisse merkwürdige Ähnlichkeiten zwischen einer kommentmäßigen Kneipe und etwa einem Sederabende vorhanden sind. Ich bitte Sie, mich dabei nicht mißzuverstehen, aber es scheint doch wirklich dem jüdischen Gefühl und der jüdischen Tradition zu entsprechen, ein geselliges Beisammensein, ein gemeinsames Essen und Trinken nach einer gewissen Ordnung abzuhalten und es sind zweifellos dieselben psychischen Hintergründe, die in einem wie in dem anderen Falle die unvergleichlich andere und wertvollere Stimmung erzeugen, die bei einem geordneten Bei* sammensein sich ergibt. Nur <— und das bitte ich nicht zu vergessen sie finden und das ist der himmelweite Unterschied zwischen der kommentmäßigen Kneipe und dem Sederabende oder auch in gewisser Hinsicht dem Freitagabendessen, bei der jüdischen Veranstaltung eine ganz innige und überaus wirksame und tiefsinnige Verbindung des, wenn ich so sagen darf, Vegetativen, das eben durch die Ordnung schon an sich in ein höheres Niveau gehoben wurde, mit dem höchst Geistigen. Und das wird auch wohl der Lobredner nicht zu behaupten wagen, daß der Komment auch nur im entferntesten jemanden auch nur mit Geist* ähnlichem verbindet. Aber ich meine, man könnte darüber nachdenken und man könnte vielleicht zu sehr wertvollen Resultaten gelangen, ob nicht an Stelle des Komments der Freitagabendtisch und die entsprechenden gemeinsamen Mahle an den großen Feiertagen treten könnten. Ich denke nicht, daß man so etwas durch S. C.*Beschlüsse einführen kann, sondern es muß dies, wie alle wertvollen Veränderungen, aus der durch klares Empfinden und wohlüberlegtes Ziel geleiteten Spontanäität der Führer in ihren eigenen Gruppen kommen. Nur gewisse Dinge müßten sie meiner Meinung nach abschaffen, um die Voraussetzung für eine frucht* bare Veränderung zu gewinnen und dazu gehört für mein Gefühl unter allen Umständen das Biertrinken, wo es noch geübt wird, das zweifellos jeden guten Vorsatz ersäuft. Wenn es wenigstens noch Wein wäre, aber kann beim Bier auch nur die entfernteste geistige Leistung gelingen? Und nun von der Tapferkeit. Es liegt mir ferne, zu leugnen, daß die Verdienste der Verbindungen ganz außerordentliche waren, wenn ich sie auch nicht gerade in dem Verhalten und den Erfolgen sehe, wie Sie und Ihre Freunde. Und gerade in dem Punkte der Tapferkeit und Ehre kann ich nicht ganz mit Ihnen übereinstimmen. Ein Sätzchen in Ihrem Brief selbst widerlegt eigentlich Ihre ganze Argumentation. Das Beispiel der Studentin, die an den Haaren gezogen wurde, beweist doch klar und deutlich, daß die Herren Radauantisemiten durch die 20jährige Tä* tigkeit der jüdischnationalen Studenten, durch ihren unbezweifelbaren Mut und durch ihre genugsam festgestellte Schneidigkeit und Fecht* fähigkeit, sich haben nicht überzeugen, schon gar nicht iniponieren lassen. Es mag ja zu einer gewissen Zeit notwendig gewesen sein, der Welt zu beweisen, daß auch wir Juden Menschen, tapfere junge Leute und dergl. mfehr sincl, ich leugne äber, daß das heute noch irgend wie nötig ist und daß es dort, wo es vielleicht nötig wäre, irgend einen

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