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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 337

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 337 (sequence 55)
Language
German
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Briefwechsel über die Formen der jüdischen Verbindung. 337 Sehr geehrter Herr! Leider war es mir nicht möglich im S. C. Ihnen auf Ihren Brief mündlich in einem größeren Zusammenhange zu erwidern. Ich muß leider dien schriftlichen Weg einschlagen, obzwar es mir klar ist, daß die großen und komplizierten Fragen, die Sie in Ihrem Schreiben anschneiden und die meiner Meinung nach, gerade im gegenwärtigen Augenblick für die Jugendbewegung von einer aktuellen Wichtigkeit sind, sich nur sehr unvollkommen und mißverständlich in den wenigen Zeilen eines Briefes erörtern lassen. Ich weiß nicht, wodurch das Mißverständnis entstanden ist, aber jedes^ falls sind Sie im Irrtum, wenn Sie meinen, ich hätte in meiner Argument tation irgendwie Gewicht darauf gelegt, festzustellen, daß die jüdischen Verbindungen nur die Nachbilder der deutschen Verbindungen seien. Ich stimme mit Ihnen durchaus darin überein, daß wir uns nicht zu schämen und nicht zu scheuen brauchen, von anderen Völkern zu lernen, so viel wir nur immer von ihnen an fruchtbaren Anregungen nehmen können. Aus der Tatsache, daß die jüdisch-nationalen Verbindungen von den deutschen Studenten gelernt haben, ist keinerlei Werturteil über die Verbindungen selbst abzuleiten, hat doch z. B. der Schomer, gewiß die jüdischeste aller Jugendorganisationen, sehr viel vom polnischen Skaut übernommen und ist sogar anfangs völlig unter dem Einflüsse dieses Vorbildes gestanden. Und ich selbst bemühe mich doch seit Jahren, die jüdische Jugendbewegung auf die freideutsche Jugend und auf die Gruppe um Gustav Wyneken als auf Vorbilder für ihre eigenen Angelegenheiten hinzuweisen. Meiner Meinung nach, kommt es lediglich darauf an, was f\ man aus diesen Anregungen macht, wie man die übernommenen For^ \t men mit eigenem Inhalt füllt, und sie eventuell langsam danach um^ ' gestaltet. In dieser Beziehung freilich finde ich nicht, daß sich das jüdischnationale Verbindungswesen bisher als schöpferisch erwiesen hätte. Das jüdisch-nationale Verbindungswesen hält heute noch die Formen der deutschen Verbindungen fest, indessen gerade im deutschen Studententum sich wesentliche Veränderungen so rasch und nachhaltig in den letzten Jahren vollzogen haben, daß man beinahe sagen könnte, in kurzem wird die jüdisch-nationale Verbindung eine sehr eigenartige und spezifische jüdische Sache sei, denn im deutschen Studententum wird man ein ihr Ähnliches kaum noch lange aufzeigen können. Dies alles ist aber nicht genügend, um das Verbindungswesen zu beurteilen. Nur immerhin die Tatsache macht bedenklich, daß die deutschen For^ men ausreichen sollten, vollständig adäquat sein sollten den doch immerhin beträchtlich anderen Problemen der jüdischen Studentenschaft. Im übrigen muß ich sagen, was ich vielleicht in meinem Referate im S. C. nicht genug betont habe, daß ich Formen sehr hoch einschätze und daß mir an und für sich die Formen des Verbindungsstudententums weder unsympathisch sind, noch vielleicht ungeeignet zu sein scheinen für unsere jüdischen Aufgaben. Ich habe das Empfinden, als .würde man sehr wohl zurückgreifen können auf manche unbezweifelbar jüdische

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