Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 336 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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336 Briefwechsel über die Formen der jüdischen Verbindung. tausend Juden auf sich genommen, um wie viel besser wäre uns ein aus freier Einsicht auferlegter Zwang geworden! Kennen Sie die Schar aus der akademischen Jugend, die sich um unseren unsterblichen Herzl gereiht hat? Kennen Sie den Herzschlag unseres Bekenntnisses zur Nation und zum Zionismus? Kennen Sie die Entschiedenheit unseres Ehrbegriffes? Vielleicht genügt dies, um Ihre unausgesprochene Absicht, diq Sie in das Wort ,Auflösung' kleideten, wankend zu machen. Oder sollte ich Ihnen vorhalten, daß unser Palästina erst den harten Weg vom Herzen in das Land machen muß, daß Juden Jahrzehnte lang der europäischen Willkür noch erliegen, daß sie sich hier in Europa der schweren Vorbereitung befleißen müssen. Ist unser Bau wirklich so morsch, daß Ihnen die Niedermachung not* wendiger scheint als die Ergänzung? Nun möchte ich zu Ihren Wünschen noch manches sagen. Ich lege die bisherige erzieherische Arbeit der jüdischen Verbindungen in die eine Wagschale und diejenige Ihrer jüngsten Reihen in die andere. Gewiß ist die letztere nicht völlig ermessen, da ich an ihr nicht teilgenommen habe. Ich war jedoch bemüht, sie aus der Zeitschrift »Jerubbaal«, aus den Jugendblättern, aus informativen Aussprachen, zu beurteilen. Die stärkere Richtung weist nach Zion, Die schwächere in das Innere der Persönlich* keit. Sie erziehen die Schomrim und die Ackerbauer und haben dabei die psychische Vertiefung in Acht. Und dann lassen Sie Menschen zu Worte kommen, die vom Übermenschlichen träumen und in diese er* barmungslose Welt das erlösende Wort verkünden! . . . Was ist ihnen, diesen visionären Seelen, die Gestalt Theodor Herzls, was ist ihnen die bittere Stunde des gemarterten Ghettojuden, was ist ihnen das Blutopfer eines Pogroms? Das tiefe Leid und die bittere Not des Ostens? Wir werden uns Ihnen nicht vorsätzlich verschließen. Wir würden am besten tun, einander zu ergänzen. Verhelfen Sie Ihren Getreuen zur inneren Festigkeit, und wir nähern uns Ihnen und dem Geiste Ihrer Be* wegung. In diesem Sinne will ich in den nächsten Tagen in präzisen Sätzen meine Vorschläge über die Erweiterung der bisherigen Organisation der akademischen Judend machen. Nehmen Sie, bitte, diese Mitteilung als für mich und wie ich glaube, für die in ähnlichen Umständen Erwachsenen gesprochen. Wenn es Ihnen Bedürfnis ist, Ihre bisherige Verbindung aufrecht zu erhalten, werden Sie gewiß Gelegenheit nehmen, in dem nächsten S. C. auch Ihr Organisationsprojekt vorzutragen. Mit Zionsgruß abs. ing. Gidale Grünspan. 3