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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 335

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 335 (sequence 53)
Language
German
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Briefwechsel über die Formen der jüdischen Verbindung. 335 Briefwechsel über die Formen der jüdischen Verbindung. Herr Doktor, gestatten Sie mir auf Ihre im Seniorenkonvent ausgesprochenen Ansichten, Absichten und Wünsdhe zu erwidern. Ich will vorausschicken, daß ich in diesen Mitteilungen nur meine Überzeugung vertrete, die mich vermuten läßt, bei gegenseitiger Unvoreingenommenheit, die noch geteilten Lager der jüdischen Jugend einander näher bringen zu können. Das Wesen der wehrhatten jüdischen Verbindungen scheint Ihnen in der Form reicher als im Inhalte, wofern Sie nicht schon in den Formen allein den ganzen Inhalt bemessen. Da muß ich Ihnen sagen, daß Sie uns in beiden Fällen empfindlich Unrecht tun. So berechtigt auch die Frage ist: »Was hat ein Jude mit urdeutschem Brauch zu schaffen?« so gewinnt sie durch die nächste Frage an Bedeutung: Ist denn unsere Nation <*-* nicht unser erhabenes Judentum ^> so untadelig, so vollkommen, daß ihr Form und Sitte einer anderen, großen Nation entbehrlich sind? Viel könnte man darauf entgegnen. Eines ist aber gewiß wahr, daß fremde Saat im jüdischen Acker ersprießlicher wird, als in eigenem, ursprünglichem. Und so ist es auch mit den deutschen studen* tischen Formen. Für uns sind sie Inhalt geworden: jüdische Ehre zu schützen, wenn sie durch Hohn und Frechheit besudelt wird. Vor siebzig Semestern waren den deutschen Studenten die Worte, Judenbub' und ,Feigling' Namen eines Begriffes, in welchem sie die Ehrlosigkeit des Juden verkörperten. <Es ist auch nicht lange her, daß an einer deutschen oder österreichischen Universität eine jüdische Studentin an den Haaren §ezerrt, durch die Aula geschleift wurde.) So entstand die ,Kadimah'. Io entstanden die anderen jüdischen Verbindungen. Und dies waren Männer, die von der Tradition unseres Wortes abgewichen, zur Tat sich durchgerungen haben. Die deutschen Studenten mußten erkennen, daß es auch mutige, kampfgewillte Juden gibt. Juden, die sie in ihrer ,Stramm^ heit' und im fechterischen Können übertrafen. Die Notwendigkeit hat uns diese fremde Form aufgedrängt. Sie würden mir im Denken vielleicht entgegnen, es wäre an der Zeit, sich frei zu machen, unsere Aufgabe wäre erfüllt. So bin ich an die früher erwähnte zweite Frage herangekommen. Die Notwendigkeit hat sich in uns selbst verankert. Anbetung sei unserem Volke gezollt, aber im ge^ rechtesten Sinne auch Verachtung. Das Losgelöstsein des Einzelnen aus unserem Volke im wirklichen Leben, der unbezwingbare Instinkt für dasselbe, die Scheu vor Opfern, die physische Angst, in zwei Worten —- Zersplitterung und Furcht, liegt nicht darin unser Schiksal? Nichts scheint mir unserer Jugend so notwendig, als die Überwindung dieser beiden ererbten Instinkte. Überwindung ist adelig. Überwindung ist Liebe. Und diese von Ihnen verworfene Form des deutschen Studententums, scheint mir wertvolle Gelegenheit für diese Überwindung. Treu, tapfer und verläßlich sein, könnte man dies von unserer jüngeren und älteren Jugend sagen, ich glaube, wir wären unserem Ziele viel näher, als wir gegenwärtig sind. Den Zwang des Weltkrieges haben viele 24*

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