Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 334 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Eugen Hoc flieh: Die Deflorierung der Jugend. mit sidi nehmen wird, wird sie das Land abschleifen, paralysieren, wie es bisnun geschah; Was wir tun sollen? Nach Palästina gehen. Wie? Bereit sein zu allem, auch zu Enttäuschungen. Elijahu Rappeport schlägt Arbeiterbataillone vor. Dem möchte idi widersprechen. Ich fürchte nämlich, daß dies der Anfang sein könnte zu einer Amerikanisierung des Landes. Besser scheint es mir, in Gruppen von zehn bis zwanzig Individuen hinüberzugehen, einzelne Arbeits* und Lebensgemeinschaften <Kolonien> an der Peripherie des Landes zu bilden und zu arbeiten. Damit will ich aber keineswegs sagen, daß jeder Landarbeiter werden muß, auch wenn er nicht das Zeug dazu in sich hat. Er möge das tun, wozu er die Berufung fühlt, was immer er aber anfängt, er möge es aus seiner Jugendlichkeit heraus tun, ohne zu rechnen und zu werten. Linter jeder Bedingung muß er Individuum bleiben, Mensch aber, der weiß, was Selbstdisziplin heißt und der fähig ist, sich dem Befehl dessen zu unterstellen, der kraft seines Verstände nisses anzuordnen hat. Wer aber den alten Nomadentrieb unseres Ge* schlechtes übermächtig in sich fühlt, gehe hinaus in die Wüste und über* nehme das Erbe der Bne rechab. Trotz eures spöttischen Lächelns, verehrteste Realpolitiker, wiederhole idi, was ich schon früher sagte: Besser ein jüdischer Beduine, der, mit der Natur verbunden, glücklich ist, als ein werteschaffender Arbeiter, der sich sein Leben lang unglücklich fühlt. Und was ich oben vom Amerika* nismus sagte, will ich trotz eures realen Besserwissens aufrechterhalten, denn die Zukunft des jüdischen Menschen, dem jetzt die Gelegenheit gegeben ist, die Menschheit in sich zu erlösen, steht mir weitaus höher, als euer Beifall, selbst wenn ihr mich einen weltfernen Schwärmer heißt. Ich werde nicht ermüden, zu sagen, daß wir nicht, um alles nicht, amen* kanisch^europäische Systeme in Palästina anwenden dürfen. Großzügigkeit, ja. Nicht aber Bluffs! Ein Klondyke in Palästina brauchen wir nicht, denn, merkt euch das: Wir gehen nicht um des Gewinnes willen in das Land der Väter, denn unsere Liebe und unsere Not, die uns treibt, verlangt nicht nach materiellen Befriedigungen aus Fabriken und aus Kaufhäusern, die unsere Menschlichkeit in andere, gleich schwere, oder noch schwerere Fessel legen will. Wir werden schrittweise vorgehen, ohne uns mit Massetizahlen zu überstürzen, wir dürfen nicht Feldherren des wirtschaftlichen Kampfes sein, die Bataillone hinwerfen/ wohin es ihnen gutdünkt, nur um Werte zu schaffen, ohne Rücksicht zu nehmen auf die Kultur, die verkümmert, wir dürfen nur in Patrouillen vordringen, erst die Peripherie jüdisch machen, um dann zum Zentrum zu schreiten. Auf diese weise entgehen wir der Planlosigkeit einerseits, wie dem wirt* schaftlichen Desperaderowesen anderseits. Wie immer es aber sei: Die Jugend sei auf ihrem Posten! Das Land ist unser. Unsere Arme und unser Geist werden es jüdisch machen vom Meer bis zum Tigris und unsere Leiber werden es schützen vor indu* striellen Freibeutern. Im jirzeh haschem! Eugen Hoeflich.