Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 332 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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332 Eugen Hoeflieh: Ich verzichte auf die Antwort. Das Faktum wird nicht aus der Welt gebracht, auch wenn wir den Täter kennen. Was hilft's uns zum Bei* spiel, wenn wir wissen, wer das Schlagwort vom objektiven Geist in diese jüdische Jugend warf, die subjektiv sein muß, will sie menschlich sein. Was hilft's uns, wenn wir die Symptome einer Zeit erkennen, die noch am Rande ihres-, Grabes Witze zur Weltgeschichte zu machen ver* sucht? Was hilft's, wenn ich sage, daß es die Führer waren, jene Führer, die sich jugendlich geben dem Jugendlichen und bedächtig dem Politiker? Ja, sie waren es, die Organisationsherolde, die die Pubertät organi* sieren wollten, die Sehnsucht nach Zion, das ehrfürchtige Erschauern, das jüdische Atmen, die Liebe und alle Menschlichkeit, die die Jungen in Versammlungen zerrten, Sitzungen veranstalteten und von Unbedingtheit sprachen. Von Unbedingtheit sprachen sie, wie aber äußerte sich die Un* bedingtheit ihrer Tat? Etwa in einem unmöglichen Blauweißliederbuch oder in dem originellen Einfall, die Aufnahme in einen Verein von einer gut bestandenen Aufnahmsprüfung aus Martin Bubers Werken abhängig zu machen? Oder vielleicht in einer »Stellungnahme der jüdischen Frauen* vereine zu den politischen Angelegenheiten des Tages«? Politischer jüdischer Frauenverein! Gräßlichster Einfall eines wahn* sinnigen Organisators,- ich denke an die rührendste, an die wunderbarste und an die erhabenste Frauengestalt, an Maria von Magdala, an De* borah und an Channa mit den sieben Kindern. Stellt euch vor: Maria, Deborah, Channa in politischen Versammlungen! Sagt nicht, daß die Zeiten sich ändern und wir mit ihnen, daß Organisation Zeichen der Zeit ist, sprecht nicht vom Zeitgeist, jener infamen Hure,- es ist Lüge, sag ich euch, ihr betrügt euch selbst: auch diese Zeit braucht Geist, nicht Organisation als Geistersatz, nicht Erleichterung des innerlichsten Kampfes der Jugend durch gemeinsame Kasse. Macht es ihr nicht zu leicht! Denkt nur nach: wer half uns und wer hilft uns über unsere seelischen Klippen? Ist einer von uns zugrunde gegangen, weil er ohne Mitglieds* karte das ungeheure Erleben der Jugend bewältigen mußte? Ihr großen Führer: Wie gefällt euch die Jugend, die ihre Innerlichkeit mit Behagen zur Schau stellt, die ihr Leid in Briefen an Freunde und an solche, die es werden wollen, in Zeitschriften abdruckt, deren Jugend Betriebsamkeit ist? Imponiert sie euch nicht, da sie selbst die Sterne interviewt, statt zu dichten, und Trauerfeiern veranstaltet, statt zu trauern, da sie liebt aus dem Hirn, statt aus dem Herzen, und Barrikaden baut aus Überlegung, statt aus Begeisterung? Euch klage ich an, die ihr sie greisenhaft überlegend gemacht habt, ja, euch, die ihr in überlegener Un* nahbarkeit eudi einhülltet vor der Feier und während des Festes im Honoratiorenzimmer sitzt mit Weibchen und einander Witze erzählt, die ihr von Opfermut sprecht und Geschäfte macht. Zum Teufel mit den Führern! Die Jugend braucht sie nicht, sie fand allein in die dunkle Gasse, allein wird sie wieder herausfinden. Sie ist legitimiert, sich selbst zu führen, sobald sie die innerliche Kraft dazu in sich hat. Fehlt ihr diese, dann erst laßt uns ihr mißtrauen. Stets aber muß sie sich den Wc?g selbst vorzeichnen, den sie zu gehen hat, ihr