Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 330 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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330 L W.: Aufgabe der Jugend. dernd einer ganzen Welt entgegenzurufen — wenn sie es tut, so tut sie es unlebendig, systematisch, es bildet gleichsam einen Punkt ihrer Statuten. Dafür gibt es gerade unter unserer Jugend so viele ernste, ehrliche, zuverlässige Menschen, voll besten Willens und warmer Begeisterung. Es wäre die Sache der Führer, alle diese Kräfte in das richtige Fahrwasser zu lenken, die Auswüchse zu beschneiden, für ein gerades Wachstum zu sorgen. Statt dessen tragen viele von ihnen dazu bei, die jungen Köpfe noch mehr zu verwirren. <So wird von einer Blau^Weiß^Führerin be* hauptet, sie kommandiere ihrem Zug: Freut euch! Wenn es nicht wahr ist, so ist es gut erfunden und gibt ein ganz treffendes Bild von einer der Abarten unserer Erziehungsmethoden.) Es handelt sich gar nicht so sehr darum, unsere Jugend vor große Aufgaben zu stellen. Es handelt sich vor allem darum, ihr das Bewußtsein der großen Verantwortung beizubringen, die »Jugend« heißt, der Pflichten, die diese Jugend auferlegt. Es handelt sich darum, ihr zu zeigen, daß jeder im großen wie im kleinen seinen Platz ausfüllen muß, daß auch die kleinste Arbeit Arbeit ist, daß jede Aufgabe groß ist, ja daß sogar die kleinsten Aufgaben oft die größten sind, denn sie verlangen Opferwilligkeit, Einsetzung des ganzen Menschen — nicht für eine Tat, die schon das stolze Wissen um ihre Größe als ersten süßen Lohn mit sich bringt, sondern für ganz ruhmlose, scheinbar ganz minderwertige Be* schäftigungen, die sich mit dem Hinweis auf höhere, wertvollere, »schöpferische« Leistungen, die gerade den Betreffenden immer erwarten, so leicht ablehnen lassen. Natürlich gibt es auch ein anderes Extrem. Das sind jene, die mit Hingebung diese verachteten Arbeiten auf sich nehmen, weil sie damit das ihrige getan zu haben glauben. Es ist über diese im Grunde so selbstverständlichen und darum gar nidit der Rede werten »Adressen« schon so viel diskutiert worden, daß das Für und Wider jetzt fast als Ehrensache betrachtet wird. Und so sonnen sich manche wohlgefällig in dem Ruhm, »diejenigen« zu sein, »welche« usw. und stellen gar keine weiteren Ansprüche an sich. Ihre »Taten« haben eine verzweifelte Ähn* lichkeit mit den Worten der andern: sie wirken beruhigend. Sie be* schwichtigen die sich ab und zu doch meldende innere Forderung. Was also soll unsere Jugend tun? Das ist eine Frage, die zu beantworten sehr leicht und sehr schwer ist. Vorschläge sind genug gemacht worden. Arbeit gibt es reichlich, die neue Jugendbewegung bietet unzäh* lige Möglichkeiten. Und doch läßt es sich nicht leugnen, daß eine befriedigende Antwort bis jetzt nicht gegeben wurde, nicht gegeben werden konnte. Wir müssen es uns ehrlich eingestehen, daß wir heute noch nicht so weit sind, unseren jungen Menschen das geben zu können, was sie vor allem brauchen: eine Arbeit, die mehr ist als die notdürftige Ausfüllung der unvermeidlichen Wartezeit. Wir zeigen ihnen das Ziel und müssen es ihnen überlassen, den Weg zu suchen, wie auch wir selbst ihn erst finden müssen. Vereinzelten ist dies schon gelungen und ihr Wirken kann für die andern richtunggebend sein. Es soll aber die Gefahr nicht unterschätzte werden, die darin liegt, junge begeisterte, tatfrohe