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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 329

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 329 (sequence 47)
Language
German
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L W.: Aufgabe der Jugend. 329 brachten, doch tiefinnerst durchlebten Meinungsäußerungen fortzuschwem^ men versuchten, weil wir unser heiligstes Recht, das Recht schöpferischer Aktivität, tätiger Hingabe, beglückender Arbeit gewaltsam erzwingen mußten. Aktivität! Hingabe! Arbeit! Uns nämlich, Herr Goldmann, uns lehrte der Tugendtag nicht: »lernet warten«. Uns lehrte er: lernet handeln! Mit dem Ausdrucke ergebener Hochachtung Alfred Kupferberg. Ein pietätloser Jugendlicher. Aufgabe der Jugend. Was ist Jugend? Einige der gebräuchlichsten Antworten seien hier zitiert: »Jugend ist —* die Auflehnung gegen das Alte, Hergebrachte«,- »der Kampf gegen das Philistertum«,- die »Revolution« der für das Schöne und Große Begeisterten gegen die so tötend wirkende Weltklugheit und Erfahrung derjenigen, die selbst einmal Jugend gewesen sind. Jugend ist »Kraft«, »Freude«, »Leben« — was ist Jugend nicht alles! Sie müßte gar keine Jugend sein, wenn diese ganze Phraseologie ihr nicht das Gefühl ihrer ungeheuren Bedeutung geben, ihr nicht ganz einfach den Kopf verdrehen würde. Sie berauscht sich an den großen Worten, fühlt sich als »neue Generation« und ist bereit, wie die tapferen Weiber von Weinsberg, das ganze jüdische Volk auf ihren starken Schultern in die Freiheit zu tragen. Aber billiger tut sies nicht — wenigstens so etwas muß man von ihr verlangen. — Doch fast alle aiese Jungen werden alt und klug und blicken mit gerührtem Lächeln zurück: »Ja, da^ mals, als wir jung waren! Das waren doch andere Zeiten! Die heutige Jugend . . . .« Und doch zeigt jede heutige Jugend ganz deutlich schon Spuren des Alters von morgen. Denn es fehlt ihr —- mit wenigen Aus^ nahmen, die die Regel bestätigen — das Wesentliche: die große Hingabe, die allein jung erhält, die Fähigkeit, auf sich selbst zu verzichten, um der Sache willen sich mit der so lächerlich gering scheinenden Rolle des kleinen Rädchens zufrieden zu geben, das — unscheinbar und doch im vollen Bewußtsein seiner Unentbehrlichkeit — das große Rad treiben hilft. »Auch Adressen schreiben« — warum nicht Adressen schreiben? Warum nicht mit ganzem, heißem Herzen Adressen schreiben, wenn es nötig ist? Woher kommt es, daß gerade die »zu übergewöhnlicher Arbeit Veranlagten« immer wieder auch diejenigen sind, die mit unermüdlicher Geduld die Kleinarbeit machen, während die »Durchschnittsmenschen« sich für zu gut halten? Jeder, der zionistisch gearbeitet hat, wird diese Er^ fahrung bestätigen. Es ist halt so bequem und noch dazu so rühmlich, die neue Generation zu sein! Unsere Jugend ist ja gar nicht so revolutionär, wie man es ihr einredet. Sie ist gar nicht dazu veranlagt, ihr »Hei« kühn und herausfor-

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