Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 325 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfred Kupferberg: Selbstbesinnung«. 325 lehrte, dann stellt sich von selbst bald das wunderschöne Verhältnis, von dem ich vorher sprach, heraus. Ich habe bisher so gesprochen, daß es jede jüdische Jugendbewegung angeht, ohne auf die Sonderheiten des Blau^Weiß einzugehen. <Wandern, »natürliches« Leben, Abstinenz usw.) Es wäre das auch Gegenstand eines ganz neuen Referates. Unangeschnitten ließ ich auch die Palästinafrage, die Hebräischfrage, Erkenntnis des Judentums und die Mädelfrage, die, wie ich glaube, als nächste höchst akut werden wird. Vielleicht nehme ich ein anderes Mal Gelegenheit, mich zu diesen Fragen zu äußern. Heute will ich nur noch sagen, daß ich für Wiko Golds »Bxclusivität« entschieden n i ch t bin. Der Blau^Weiß stellt heute eher ein revolutioniertes Chaos, als ein abgeschlossenes Ganzes dar und wäre eine Abschließung, insbesondere in allgemeinen Angelegenheiten <Palästina> von Schaden. Auch bis wir wirklich etwas individuell ganz Abgeschlossenes darstellen werden, ist die Ratsamkeit der Abschließung höchst zweifelhaft. Monzi Spitzer. »Selbstbesinnung«. Offener Brief an Herrn Nadium Goldmann. Sehr geehrter Herr Goldmann! Im Oktoberheft des »Juden« stellen Sie eigener Jugendlichkeit, die Sie in den ersten Reihen Ihrer Arbeit mit unzweideutiger Bescheidenheit präsentieren, unsere Geistesarbeit gegenüber, »die Jugendlichkeit mit Anmaßung, die starke Selbstbejahung der Erkenntnis mit dem kritiklosen Jasagen der Unwissenheit, die revolutionäre Kühnheit des wahrhaft schöpferischen mit der zerstörerischen Respektlosigkeit des ahnungslos Unwissenden verwechselt«. Der Jugendtag, auf dem all die Irrungen und Fehler unserer nationaljüdischen Jugendbewegung, »die der Unbe^ fangene schon vor dem Jugendtag wahrnehmen konnte«, klar zum Aus^ druck gelangten, bewies, daß unsere Kühnheit Anmaßung wird, »die Rücksichtslosigkeit unschöpferischer Nihilismus, die stolze Selbstbejahung Unbescheidenheit und die großen Worte von dem Aufbau einer neuen Zukunft und Kultur Donquixoterie«, kurz, daß wir, »so geübt und er^ fahren in den Gesten der Stärke, in den lauten Worten und tönenden Phrasen von revolutionärem Mut und Übermut und Schöpfertum, in Wahrheit alle Laster der Schwäche« haben: »die Unechtheit, die Unvornehmheit und Feigheit«. . Wenn zwar ich leider nicht jugendlich genug bin, um die Echtheit, die Vornehmheit und den Mut, der zweifellos aus diesen hier wiedergegebenen liebenswürdigen Apostrophierungen unseres arg mißgestalteten und verkrümmten Wesens spricht, voll zu würdigen, so scheint es doch im Interesse eines schließlich nicht unbedeutenden Teiles der nationaljüdischen Jugend Deutschlands wünschenswert und erforderlich, zu der sachlichen Hälfte Ihrer Ausführungen Stellung zu nehmen.