Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 324 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437761--371-3776759- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
324 Monzi Spitzer: Über. Jugendbewegung im allgemeinen usw. kommt zu dem, was bisher über Jugendbewegung gesagt wurde, eine nationale Bestrebung? Darauf nur sehr beiläufig die Antwort, So, wie es nicht möglich ist, Jude zu sein, ohne Mensch zu sein, so ist es anderer* seits einem Juden unmöglich, sich menschlich auszuleben, ohne es jüdisch zu tun, einem Juden Mensch zu werden, ohne es jüdisch zu werden, Zweitens: Der Blau*Weiß ist nicht aus einem persönlich verknüpften Freundeskreis unter Mithilfe von »Führern« entstanden, sondern als Zweckinstitution zur Heranbildung »guter Juden« mit gewissen sittlichen Anschauungen auf die Lebensführung. Als Führer (allerdings nicht mit dem hier dargestellten Typus Führer zu verwechseln) fungierten Leute, die zwar sehr guten Willens waren und vielfach über den Durchschnitt der jüdischen Jugend ragten, aber einfach nicht immer die Qualitäten be* saßen, die einen zum Führer qualifizieren und die Geführten waren Kinder, die wahrlich keine Jugendbewegung entfachen und tragen können. Die Formen entnahm man aber einer organisch entstandenen Jugendbewegung, dem »Wandervogel«. So schleppten wir ein krankhaftes Gebilde einige Jahre hindurch, bis die Krankheit, zur Zeit, da die erste »Kindergeneration« zu Jugendlichen wurde, nämlich in der letzten Zeit, zum offenen Ausbruch kam. Der Blau*Weiß kann nur so ausschau'n: Den Kern bildet eine Jugend* gemeinschaft (tj—25, wobei das Alter mehr individuell ist), in der sich alle menschlichen Interessen und Sehnsüchte ausleben, gruppiert um mehrere führerische Einzelpersonen, von denen wieder eine die stärkste und wirk* samste ist. Diese Gemeinschaft ist ein sehr enger Freundeskreis, nicht Interessen* oder Zweck*Gemeinschaft, gebunden durch jenes. Verhältnis, das ich homoerotisch nenne. Inmitten dieser Gemeinschaft gibt es selbst* verständlich Einzelinteressen. Ein Kreis wird insbesondere Literatur, der zweite Philosophie, ein dritter Musik pflegen <was *ar nicht von einander trennt), andere werden eben besondere Liebe zu Kindern haben und werden um sich Kreise von Kindern bilden, mit denen sie sich befassen. Der Blau*Weiß wird, weil es in seinem Interesse ist, diesen Leuten für die Kinder ein besonderes Zimmer anweisen und sie auch sonst unterstützen, aber ein integrierender Bestandteil des Blau*Weiß sind die Kinder nicht. Zur Organisation: In jeder Ortsgruppe gibt es ein Administrations* komitee, das die technischen Dinge mit Hilfe aller anderen versorgt. Aus allen diesen Administrationskomitees bildet sich ein allen Bünden gemein* sames, das gemeinsame technische Angelegenheiten zu regeln hat und den Verkehr der Bünde miteinander in technischer Hinsicht vermittelt <Treffahrten, Besuchsfahrten usw.). Außerdem gibt es aber eine »Bundes* fuhrerschaft«, die fähigsten Persönlichkeiten aus den einzelnen Bünden, die in gemeinsamer Arbeit die geistige Anregung der Bünde besorgen und vor allem den Verkehr mit den »Meistern« herstellen. Die Meister kommen selbstverständlich nicht vom Himmel gefallen. Hervorragende Menschen, deren Gedanken die Jugend sehr nahe steht, sind zu veranlassen, der Jugend näher zu treten. Zeigt sich, daß die Persönlichkeit, dem Gesagten nachkommt, d. h. daß er wirklich die Ver* wirklichung dessen ist, was die Jugend nach seinen Gedanken lieben