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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 321

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 321 (sequence 39)
Language
German
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Monzi Spitzer: Über Jugendbewegung im allgemeinen usw. 321 und Totenbett bestiegen. Als ich ihr meinen Abschiedsbesuch abstattete, konnte sie sich lange, lange vor innerer Erregung nicht fassen und weinte bitterlich. Ging doch einer ihrer wenigen Enkelsöhne — mein Vater war ihr einziges Kind — und zudem ihr Lieblingsenkel einer Gefahr — und versuchungsreichen Zukunft entgegen, denn voll und ganz Jude zu bleiben, wurde nun bei mir in Frage gestellt. . . . Als meine Großmutter sich endlich satt geweint hatte, führte sie zunächst die verklärte Gestalt des Großvaters, ihres Mannes, des in Siedice und weit hinaus berühmten Mottl des Alten, vor, dessen große Verdienste mir in den bevorstehenden Gefahren beistehen und der für mich Fürbitte vor dem himmlischen Throne einlegen möge. Sie brachte mir dann die bereits erwähnten Talmudheroen in Erinnerung, die trotz des von ihnen ausgeübten Gewerbes nicht allein sich als gottesförchtige und engelreine Männer bewährten, sondern auch ihr ganzes Leben hindurch viel Zeit und Muße fanden, um sich der Thofa Gottes zu widmen und viele Schüler hinterließen, Die Großmutter schärfte mir sohin ein, mich auch fortan von dem Talmudstudium nicht abzuwenden und nahm mir am Schluß unter Tränen das Wort ab, mich mindestens zwei Stunden täglich mit den Worten des lebendigen Gottes zu befassen .... Schluchzend verließ ich das Krankenzimmer meiner Großmutter, ihre Mahnrede schlug unablässig an mein Ohr und ich weinte mir die Augen rot. Von meiner Mutter verabschiedete ich mich zu Hause, denn es erfaßte sie im letzten Augen* blicke ein heftiger Weinkrampf, und nur meine zwei älteren Schwestern begleiteten mich zur Bahn. Dem Vater sagte ich kein Lebewohl, da er in der letzten Stunde vom Hause fernblieb. Abraham Grünberg. Über Jugendbewegung im allgemeinen und den »Blau^ - Weiß« im besonderen. Det Blau-Weiß ist nicht ein organisch Entstandenes, aber ein etwas fertigem Nachgemachtes. Einigen jungen, erwachsenden Leuten, die es mit dem Judentume sehr ernst meinten, erschienen die bis dahin bestandenen Formen der jüdischen Jugendorganisationen unzulänglich und nicht zum Ziele führend. Sie sahen im Gegensatz zur Blasiertheit unserer Jugendgruppen die einfadie Aufrichtigkeit der Leute aus dem deutschen Wandervogel, sie wußten, daß dem Juden Körperpflege und natürliches Gemüt not tun, sahen, wie im Wandervogel der Körper auf natürliche Weise gepflegt und das Gemüt erfrischt wird und »gründeten« <ohne daß ihnen klar wurde, daß so etwas einfach nicht zu »gründen« ist) den Wandervogel in jüdischer Auflage den »Jüd. W.-B. Blau*Weiß«. Der Blau*Weiß verbreitete sich ziemlich schnell und es ist deshalb leicht verständlich, daß nach kurzer Zeit schon der Typus »Ausflüglerzirkel mit jüdisch*abstinentem Einschlag und entsprechender Volks* lieder* und Guittarespiel^Beimischung« nicht mehr genügte. Die iöimer gesprochenen Ideale wollten verwirklicht werden und so entstand das Be-

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