Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 319 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Entschluß zum Handwerk. 219 zu schlagen, es mit ihm aufzunehmen und ihn zu Boden zu werfen ~~ war immer der Lieblingswunsch meiner jugendlichen Seele. — Vor Kampf im allgemeinen, zumal mit dem berüchtigten Menuwal <Teufel> schreckte ich schon in meinem frühesten Lebensalter nicht zurück. Ich faßte also nach langem Nachdenken und Überlegen den festen Ent* Schluß, mir ein HandwerK anzueignen. Freilich fiel es nunmehr äußerst schwer, eine Wahl zu treffen. Schon einige Jahre vor dem Zeitpunkt, der da behandelt wird, faßte ich große Vorliebe für die Baukunst, womit es folgende Bewandtnis hat. In den Jahren 1897—98 wurde in Polen sehr viel und fieberhaft gebaut. In Siedice sind innerhalb dieser Jahre ganz neue Gassen entstanden, so viele Häuser wurden neu errichtet und zugebaut. Das weltliche Gespräch der älteren Leute zu Hause, im Bethause und auf der Gasse drehte sich, wie ich mich genau zu entsinnen weiß, nahezu ausschließlich um den Fortgang der im Entstehen begriffenen Häuser. Alles baute,- wer nur ein paar Groschen aufzutreiben vermochte. Die immerwährenden Reden von den Häusern <Kamienice>, die an mein Ohr schlugen, wirkten mächtig auf meine kindliche Phantasie und lösten in mir eine leidenschaftliche Vorliebe für das Maurerhandwerk aus, so daß ich als acht- bis neunjähriger Knabe stundenlang vor den Baugerüsten stand. Mein kindlicher Geist fühlte sich mit dem Wachsen der neuen Mauern und Wände in eine unbekannte Welt emporgehoben. Freilich konnte ich der immer mehr zunehmenden Leidenschaft für das Maurerhandwerk, der damaligen grande passion de ma vie, nicht jeden Tag Rechnung tragen, da ich das schwere Joch der Thora schleppen mußte, das mir schon im dritten Lebensjahre aufgebürdet worden ist. An den Wochentagen pflegte ich von 8 Uhr morgens bis zur Dämmerung, abgesehen von einer Mittagspause, im Cheder zu sitzen. Des Winters wurden uns wohl zwei Pausen gegönnt, aber dafür blieben wir bis 9 Uhr abends und länger im Cheder, so daß ich auf dem Hin^ und Rückwege während der kurzen Studienpausen nur einen flüchtigen Blick auf den Fortgang der Bauten werfen konnte. Dafür aber hielt ich mich an Freitagen schadlos, da im Cheder am Vorabend des Sabbats schon um 4 Uhr Feierabend vei kündet wurde. Nun konnte ich mich gehen lassen und mich am Anblick der mannigfachen Bauarbeiten, wie Ziegeltragen, Kalk- und Lehmmischen, sattsam ergötzen, ja, mich selbst daran beteiligen, denn ich schloß inzwischen mit den Maurern nähere Bekanntschaft. Selbstverständlich pflegte ich dann als echter Maurergeselle, d. h. ganz besudelt und vom Mörtel bespritzt nach Hause zu kommen oder vielmehr, ich mußte jedesmal knapp vor Sabbateintritt von den Bauplätzen abgeholt werden, was natürlicher^ weise ohne tüchtige und ausgiebige Schläge von Seiten meines Vaters nicht abging, der mich hiebei einen liederlichen Buben, einen »Schejgez«, der den heiligen Sabbat absichtlich entweiht, schalt. Da aber der heftige Zorn meines Vaters nur einige Minuten lang anzuhalten pflegte, und zwar nur insolange, bis ich mich reinlich abgewaschen, sämtliche Wochenkleider, einschließlich das Hemd abgelegt und feierliche Sabbatgewänder — die lange 23°