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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 318

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 318 (sequence 36)
Language
German
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318 Abraham Grünberg: rutschen drohte, zudem trug er noch einen gesteiften Hemdkragen mit einer Binde, was in Polen bis zu dem Russisch-japanischen Krieg <ic)04> als etwas noch durchaus Verpöntes galt. Als der so aufgetakelte achtzehn* zudringlichen Blicken zu entgehen sich hinter den Ofen zurückzog, wurde er doch von den viel jüngeren anwesenden Knaben ich zählte damals 11 Jahre — im Nu umringt und wegen seines »entsetzlichen« Aussehens ,mit Schimpfereien und Neckereien bedacht. — Einige der Mutwilligsten iiiachten sich an seinen steifen Kragen heran und suchten ihn zu zer> knüllen. — Ich richtete an Chaim Hersdiel die strenge Frage, wie oft er in Lodz das Mincha* oder Maariw*Gebet unterlassen hatte, daß Chaim Hersdiel beides auf einmal, d. h. das Vorabend- und Abendgebet ver* nachlässigen könnte, dieser Gedanke war uns schlediterdings unfaßbar. ~* Da aber der Weber auf diese heikle Frage bis unter die Haarwurzeln errötete, wohl nur aus Besorgnis vor dem bloßem Verdacht, so gingen wir ihm nur noch härter zu Leibe. —* Chaim Hersdiel konnte sich unserer Angriffe kaum erwehren, denn wir entdeckten inzwischen noch andere Verfehlungen an ihm, so war beispielsweise sein Gebetgürtel allzu dünn, seine Andachtsverbeugungen erschienen uns lax u. s. f. Wir wurden nun äußerst aggresiv, als endlich der lange Mosche Mordche die Bedrängnis seines Sohnes, des armen Webers, bemerkte und ihm zu Hilfe kam. —* Chaim Herschels Vater zeigte sich aber über unser Benehmen nicht im geringsten ungehalten. — Diese stumme Zustimmung des alten Melamed verstärkte uns aber noch mehr in unserem selbstherrlichen Vorgehen und wäre uns da Rabbi Jehuda mit seinem Handwerk gekommen, wir, tat mudbeflissenen Jungen, würden ihm tüchtig heimgeleuchtet haben. *-* Allein diese und ähnliche Beschwichtigungen meines jugendlichen Ge* wissens konnten nicht lange Zeit vorhalten, da der »halbabtrünnige« Weber und die sonstigen bekannten jungen Handwerker aus unserem Bethaus, die ebenfalls auf dem Wege des Abfalls begriffen waren, wie etwa die zwei Handschuhmacher, Munisch und Uscher Mottel, Söhne eines anderen Melamed, nur einmal jährich auf die Pessachfeiertage in Siedice zu erscheinen pflegten. —' Mit den Helden aus dem Talmud, wie mit einem Rabbi Jochanan Hassandlar, R. Jochanan dem Schuster, mit einem Rabbi Izchak Nafcha, R. Izchak dem Schmied kam ich aber das ganze liebe Jahr hindurch, zu jeder Tageszeit in Berührung und konnte sonach der unablässig auf mich eindringenden Mahnungen zur Arbeit unter keinen Umständen Herr werden. Gerade das Beispiel der großen Tanaiten und Amoraim, die tiefe Thorafcenntnis und einen unbescholtenen Lebenswandel mit der täglichen Ausübung eines Handwerkes in Einklang zu bringen wußten, zog mich besonders heftig an. —* Ja, ich reizte den Satan und forderte ihn heraus, indem ich mich an* schickte, ihm zu zeigen, daß ich mich mit physischer Arbeit befassen kann, ohne auf die gefährliche Bahn des Webers und der beiden Handschuhe macher zu geraten. Dem Jezer Hara <bösen Trieb) ein Schnippchen jährige Chaim Hersdiel Bethaus erschien und um den

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