Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 315 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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K. B.: Von der Familie. 315 Von der Familie. Wenn die jüdische Jugend Vorbereitungen trifft, nadi Brez Isral zu gehen, wenn sie physisch und moralisch sich dazu anschickt, im Lande der Väter ein mustergiltiges Leben zu führen, darf ein Umstand nicht aus dem Auge gelassen werden, der bisher so gut wie ganz übersehen wurde. Ober die gerechte Verteilung von Grund und Boden, über soziale Hilfe innerhalb der jüdischen Gemeinschaft wurde viel geschrieben und gesprodien, auch vor kapitalistischer Ausbeutung wurde gewarnt und vor Übertragung des Galuth ins gelobte Land/ bei all dem wurde aber ganz vergessen, daß Voraussetzung für die Verwirklichung dieser Ideale ein gesundes, fruchtbares Volk ist. Die Regelung des Verhältnisses zwischen Mann und Weib ist es, wovon hier gesprochen werden soll. Es ist selbstverständlich, daß die Eheverhältnisse, wie sie im Galuth üblich sind, nicht nach Palästina übertragen werden dürfen. Im Interesse der Volksgesundheit, im Interesse des geistigen Niveaus des Volkes, muß mit den Ehen, wie sie im Galuth zustandegekommen sind, gründlich aufgeräumt werden und eine neue Form des Bündnisses zwischen Mann und Weib gesucht und gefunden werden. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn behauptet wird, daß die Ehen, wie sie bei den Juden bis heute, sowohl im östen als auch im Westen geschlossen werden, das reinste Handelsgeschäft sind. Ein Händler, der eine ganze Kollektion von Menschen zu verschiedenen Preislagen am Lager hat, vermittelt den Kauf von Mann und Frau. Es muß aber der Mann, der einen beträchtlich hohen Preis für sich verlangt, auch eine Frau mit in den Kauf nehmen, an die er sein Leben lang gebunden ist, die ihm Kinder gebiert und sie erzieht, von deren geistigen Qualitäten er aber nicht immer aufs genaueste unterrichtet ist. Es mag wohl vorkommen, daß zwei Menschen, die aus konventionellen Gründen zusammengekommen sind, sich mit der Zeit auch lieben und schätzen lernen, dies ist aber äußerst selten der Fall. Und nun vergegenwärtige man sich das Zusammenleben von zwei Menschen, die nur durch Zufall aneinandergeworfen, jedes seine eigenen Wege geht und gar die Erziehung des Kindes in einer Familie, die nicht von inniger Liebe und Hingebung durchpulst, sondern durch ganz lockere, äußere Fäden zusammengehalten wird. Eine weitere Folge dieses Menschenhändlertums ist, daß Mädchen, die gerade die besten Frauen und Mütter abgeben könnten, ganz einfach sitzen bleiben oder durch Umstände gezwungen, sich ihrerseits an Männer, denen sie geistig weit überlegen sind, ver^ kaufen. Dieses schändliche Menschenhändlertum muß abgeschafft werden, soll das jüdische Volk stark, gesund und fruchtbar sein. Schon unsere Alten haben einzusehen gelernt, daß das Wohl und Gedeihen des Volkes von der Anzahl und der Art des Zustandekommens der Ehen abhängig ist. Diese Tatsache im Auge behaltend, legten sie jedem Juden die Pflicht zur Heirat in möglichst frühem Alter auf. Von der Art des Zustandkommens der Ehen im alten Israel finden wir im Talmud Spuren vor und so heißt es an einer gewissen Stelle: