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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 314

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 314 (sequence 32)
Language
German
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314 Fritz Saxl: Die jüdische Jugend und die bildende Kunst. sehen wird. Kleine Häuser werden in den Tälern liegen, architektonische Bildungen, die sidi dem Zug der Landschaft harmonisch einfügen werden. Mit Pietät werden die Kunstwerke der Natur geschont sein und einbezogen in das Kunstwerk der Menschen, In den Häusern wird ein Wider* spiel des harmonischen, erlösten Geistes der Menschen in den Formen sich spiegeln. Und die großen Werke der Gemeinsamkeit, die Gottes* häuser und Bibliotheken, die Spitäler und Schulen werden auch in ihren; Formen von jener neuen, nie erlebten Brüderschaft eines ganzen Volkes sprechen, die uns Zion sein wird. Darum scheint es mir unrichtig, wenn Elijahu Rappeport in diesen Blättern einmal gesagt hat, die dürfen nicht nach Zion gehen, die lüstern nach Schönheit wir müssen so erfüllt sein von unserem Hunger nach Schönem, daß wir ihn schon in unsere bitteren Anfänge werden einsenken müssen. Nur dann wird uns, die ja nicht vom Stand der Bauern herkommen, unsere Arbeit ganz befreien, wenn ,sie durchaus Edelarbeit ist. Und nur dann wird es uns möglich sein, unseren Kindern die Tra* dition dafür zu hinterlassen. Nehmen wir nicht dieses beste Streben unserer heutigen Kultur mit uns, dann kommen wir unfehlbar zu den Ausdrucksformen des Amerikanismus, wovor uns Gott behüten möge. * $ * Ich möchte nicht, daß die vorstehenden Äußerungen mißverstanden werden. Gewiß ist der Zionismus ein geistig und materiell so ungeheuer reiches und schwieriges Problem, daß das Element davon, von dem wir gesprochen haben, vielen, wenigstens heute, als nicht berücksichtigenswert und diskutabel erscheinen mag. Nun glaube ja auch ich nicht, daß es im Vordergrund des Denkens stehen sollte. Wohl aber glaube ich, daß es überall dort, wo in Handwerksschulen usw., praktische Vorbereitungsarbeit getrieben wird, diese Fragen an der Spitze stehen können und müssen. Es ist aber auch klar, daß die Handwerkskurse allein in der relativ kurzen ihnen zur Verfügung stehenden Zeit diese Erziehung zur Quualitätsarbeit kaum leisten können. Nur wenn es uns gelingt, durch Diskussionen, durch gemeinsames Studium der Probleme in der Jugendbewegung schon den Boden zu bereiten für die Spezialarbeit jener Schulen, nur dann dürfen wir hoffen, einmal unser Ziel zu erreichen. Wie dieses Studium beschaffen sein muß, das wurde schon oben ange* deutet: gemeinsames Zeichnen nach der Natur, Exkursionen nach vorbildlichen Wohnanlagen, Betrachten von Bildern zur Schulung der Augen, Besprechung der besten Bücher über die Frage »Wie ein Haus gebaut wird«, Studien der Materialien und ihrer spezifischen Verwendungsweisen usw. So betrachtet, wird vielleicht manchem, dem das Vorbeigehende wie leere Utopie erschienen ist, das Problem der bildenden Kunst für die jüdische Jugend bedeutsam erscheinen. Es ist das Problem »vom tätigen Geist« in der tätigen Hand, das Problem von der »Durchgeistigung der jüdischen Arbeit«. Fritz Saxl.

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