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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 313

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 313 (sequence 31)
Language
German
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Die jüdische Jugend und die bildende.Kunst. 313 kommen,, damit es uns einen befriedigenden Eindruck mächt. Wir sagen, es muß in den Proportionen gut sein. Was heißt das? Das ist eine komplizierte Frage der Ästhetik, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Nur soviel sei angedeutet. Bei all diesen Dingen gehen wir unwillkürlich von unserem eigenen körperlichen Erleben aus. Wir beziehen das Verhältnis von Horizontale und Vertikale in der Form auf unser Erleben von Last und Tragen usw. Und aus diesen eigentümlichen Empfindungen, die wir ästhetische nennen, heraus urteilen wir, der Kasten gefällt uns, jener nicht. Damit also ein Möbelstück vollkommen sei, muß es nicht bloß gediegen in Material und Arbeit sein, sondern muß noch ein Plus enthalten, das unsere rein formalen Bedürfnisse befriedigt. Nun ist ganz klar, daß nicht jeder, der als Siedler nach Zion gehen wird, vollkommene Möbel und Geräte zu bauen imstande sein wird. Aber damit, daß er sie aus anständigem Material ordentlich macht, ist, wie die Geschichte des letzten Jahrhunderts gelehrt hat, jener Epoche, die die Welt mit Geräten, aus schlechtem Material, in schlechter Arbeit überschwemmt hat, wie nie eine Zeit vorher, und der dadurch jede Lebenskultur verloren ging, die Grundbedingung dafür gegeben, daß ein Lebensstil, oder wie ich es nennen soll, überhaupt entstehen kann. Niemand wie wir Juden ist heute, wenn wir diese Dinge richtig erfassen werden, in der gleich glücklichen Lage, die Last des gewesenen industriellen Schundzeitalters von sich zu werfen und zurückzukehren zur Kultur .der Sachlichkeit, der Basis jeder künstlerischen Kultur, •Nun besteht aber die Hoffnung, daß wir über diese bloß sachliche Basis zu einer* wahrhaft künstlerischen Kultur uns durch langsame Arbeit der Generationen werden erheben können.. Denn es liegen zweifellos in unserer Nation schon heute, wenn auch nicht die Anlagen zum volU kommenen Produzenten, so doch sicherlich die Anlagen zu einem guten Konsumenten. Im* Juden liegt eine starke Begabung zum Kunstgenießen. Nur allzuvrele ästhetische Köpfe hat das Judentum im 19. Jahrhundert hervorgebrächt. Diese einseitige Überproduktion, die sicherlich ungesund war, beruhte aber auf einer entschiedenen Begabung für Kunstbetrachtung,, Unsere Sache wird es nun sein, diese Begabung, die bisher antisozial war, sozial auszuwerten. Wir müssen durch kräftige Arbeit an uns selbst, durch Zeichnen als Mittel zur intensiven Formbeobachtung, durch Betrachtung der besten Kunstwerke, die die ganze Menschheit hervorgebracht hat, durch Diskussionen über die Grundprobleme des Formalen und das Wesen des Künstlerischen eine allgemeine Empfänglichkeit für die Werte der bildenden Kunst erziehen. Dann wird es uns gelingen, als Konsumenten das ein wenig wett zu machen, was wir als Produzenten .fürs erste nicht erreichen können. Dann wird aber, wenn wfr wirklich mit vollem Ernst an die Aufgabe unserer Selbsterziehung gehen, im Lauf der Jahrzehnte, vielleicht der Jahrhunderte, bei uns eine künstlerische Kultur erreicht werden, wie sie heute nirgendwo anders herrscht. Man könnte träumen, wie dann dieses Palästina der Zukunft aus^

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