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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 312

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 312 (sequence 30)
Language
German
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312 Fritz Saxl: Man hat es den Deutschen gewiß mit Redit sehr verübelt, daß sie zu Beginn des Weltkrieges nur deutsche Stücke aufgeführt sehen wollten, wir aber täten etwas ganz ähnliches, Unverzeihliches, wenn wir uns von dea großen Werten der bildenden Kunst lösenwollten, weil — sie nicht jüdisdi ist. Aber davon soll heiite nidit die Rede sein. Das nur als Vorbemerkung. Gerade für die heutige jung*jüdische Bewegung gewinnt die bildende Kunst eine besondere Bedeutung in ihrer Beziehung zum Zionismus. Höflich hat in seiner kleinen Schfift »Der Weg-in das Land« <Rk Lowit Verlag) energisch darauf hingewiesen, daß das Land, das wir drüben aufbauen wollen, nicht bloß innerlich, sondern auch äußerlich ein ' neues, wahrhaftes sein muß. Die Siedlung, die uns vorschwebt, muß auch äußerlich etwas anderes sein als die Neusiedlungen, die der europäische Kapitalismus in den letzten Jahrzehnten in Massen hervorgebracht hat, deren typische Beispiele wir in den Vororten der Großstädte und in den Arbeiterhäusern der meisten Fabriken am Land sehen. Wir müssen unsere Augen schulen für die Schönheit, damit die Orte, in denen wir das Ende unseres Lebens und unsere Kinder ihre Jugend verleben werden, das Schönste werden, das unser Denken sich erobern kann. Zu den großen Gedanken der Vollendung des jüdischen Wesens gehört auch, daß wir uns Wohnstätten schaffen müssen, harmonischer und schöner als irgend* wo auf der Welt. Denn nirgendwo wird ein Volk so ein Volk von Brüdern sein, wie wir in Palästina. Dieses Brüdervolk wird der Boden sein, aus dem ein Stil wird wachsen können. Max Liebermann, der wohl der größte jüdische Künstler der vergangenen Jahrhunderte war, ist auf den Spuren der französischen Künstler gewandelt. Das hat nicht anders sein können. Denn wie sollte er, der ohne inneren Zusammenhang mit seiner Nation schaffen mußte, stilistisch etwas spezifisch Jüdisches zu sagen haben. Hier in Europa liegt keine Möglichkeit zur Schaffung eines spezifischen jüdischen Stiles. Aber drüben, wenn tausend und tausend Hände daran schaffen werden, Häuser zu bauen, Geräte zu schaffen, ganze Städte zu gründen, da kann sich ein neuer großer Stil entwickeln, ein jüdischer Stil. Aber er kann es nur, wenn wir uns von vorneherein klar machen, daß er sich nur dann entwickeln wird, wenn wir uns frei machen von aller bloßen Nachäffung. Wenn uns klar ist, daß das, was wir da drüben zu schaffen haben, kein Klein-Europa sein darf. In dieser Wegräümungsarbeit liegt die wichtigste Vorbedingung für das Entstehen eines Neuen. Nun glaube aber keiner, daß diese Arbeit allzuleicht getan ist. Nichts ist schwerer, als ein Möbelstück nur zweckgemäß zu bauen, ohne all den abstrusen Unsinn von Schnörkeln und Zeug, der das Möbelstück des jetzigen Alltags auszeichnet. Wir müssen vor allem darauf ausgehend werden, unsere Siedlungen, unsere Häuser, unsere Geräte so gut als möglich in der Qualität und in der Arbeit zu gestalten. Nun wird vielleicht jemand einwenden, wenn ein Möbel aus noch so gutem Material ist und noch so gut gearbeitet, so ist es damit noch lange nicht schön. Das ist zweifellos richtig. Es muß noch, etwas hinzu*

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