Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 311 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Fritz S a x I: Die Jüdische Jugend und die bildende Kunst 311 Frankreich oder Deutschland? Oder ist eure Fahrt nicht Aufbruch in die unbekannte Heimat? Wollt ihr denn Palästina erobern, erschließen, .wie andere.Ostafrika? Oder ist es nicht unsere Heimat, die ihr erobern geht? Diese wird nicht allein durch Arbeit unser,- sondern Liebe muß die Arbeit zwingen. Und wie sollte das Volk wahrhaft sein Land lieben können, das es nicht versteht in jedem Stein, jeder Blume, jedem Tier, sein Wasser, sein Land, seine Luft, die Menschen, die es bewohnen, die Denkmale, die vergangene Geschlechter zurückgelassen? Nur eine große Erkenntnis kann die Mutter einer großen Liebe sein. ~~ Freilich ,- mißverstehe mich keiner. Des Volkes Aufgabe ist diese große Erkenntnis, nicht jeder Einzelne kann sie in jeder Einzelheit erleben. Wie aber soll sie dem Volk als Ganzes werden, wenn nicht in jedem, der Teil hat an ihm, die Bereitschaft lebt? Und gar in jenen, die des ganzen Volkes Zentrum zu werden bestimmt sind. Nicht das kann demnach die Pflicht sein für jeden Einzelnen von euch als Vorbereitung auf Erez Jsrael zu allem andern, das Not tut, auch noch die Antworten für alle Fragen des Volkes zu suchen, die Millionen Einzelkenntnisse zu lesen, auf denen die Gesamterkenntnis des Volkes ruht. Aber in euch, in uns allen zusammen muß der ganze Umkreis des konkreten »Geistigen« enthalten sein. Dem einen wird dies, dem anderen jenes / aber jedem eines zum mindesten,- und Jeder einem zum mindesten. Dies war es, das ich sprechen wollte zu denen, die sich bereiten, hinüberzugehen. Weniger weil ich sah, daß es euch nottut, solches zu hören, als darum, weil ich manchen anders zu euch reden hörte «ad ihr ihm. zugestimmt hattet,- weil ihr bereit scheint, ihnen zu glauben. Davor wollt ich warnen. Hört vor allem in euch selbst hinein. Ich weiß, ihr findet ein wenig schlecht Gewissen bei der Verherrlichung bloßer Kraft, bloßer körperlicher Arbeit, bei dem Abscheu vor Geist, Verstand oder wie man es nennen mag. Und diesem leisen Wort des Widerspruches in Euch, Euch selbst Kameraden, glaubet allein. Siegfried Bernfeld. Die jüdische Jugend und die bildende Kunst. Es ist notwendig, daß sich die jüdische Jugend mit den Problemen, die ihr die bildende Kunst bietet, auseinandersetzt. Die neue jüdische Jugend, die jetzt heranwächst, die hinauszieht in den Wald und ihre Lieder singt, die Jugendgärten anlegen will, die wieder Freude gewinnt an dem Gewächs ihres Körpers, die kann nicht achtlos daran vorbeigehen, daß sie zu der Kunst, die die Schönheit der Welt, der Körper und der Gedanken gestaltet, kein Verhältnis hat. Es wäre doch ganz falsch zu glauben, daß wir uns in einem solchen Übermaß an die Tradition der Väter anzuschließen haben, daß wir audi das Beste, was uns das Gäluth gegeben hat, die Befreiung vom allzu Gedanklichen künstlich preisgeben müßten. Denn zweifellos wate es für viele unter uns höchst künstlich.