Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 310 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437761--357-3776745- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
310 Siegfried Bern Feld: Vorbereitung für Palästina« seiligen Beziehungen der Menschen untereinander, welche Umgangsformen sind es,'die allein gerechte, soziale, sozialgerechte heißen dürften? Häbt ihr darüber nachgedacht, denkt ihr noch darüber? Umsichtig, emstr leidenschaftlich? Habet ihr Acht auf alles, was hier um euch, an euch geschieht? Sprechet ihr darüber in den Arbeitspausen, am Säbbath, wie ihr das Hiesige erlebt, erleidet und wie es drüben wird sein müssen? Leset ihr die Bücher jener Männer, die ein Leben des Denkens, Beob* achtens und Erprobens diesen Fragen geweiht haben? Wisset ihr wie andere Völker heute und früher diese Dinge geordnet hatten? Was ihnen geglückt ist, woran sie gescheitert sind? Vielleicht werden mir einige von euch sagen wollen: Wir haben ge* nug an Diskussionen, Kursen, Büchern, schonen Gedanken.und erhabenen Gefühlen. Wir wollen die Tat, die Arbeit. Wann immer eine kon* krete Frage des Lebens und der Wirtschaft an uns herantreten wird, werden wir sie überdenken und aus den Bedürfnissen der Stunde lösen. Ich ehre eure Tatgesinnung, euren Arbeitswillen,- ich bewundere ihn,- ich verstehe euren Abscheu vor all den Dingen, die man euch in ekel* hafter Verzerrung gezeigt hat und die ihr noch nicht in ihrer strahlen* den Reinheit erlebt habet. Aber vergesset nicht: alle jene Probleme, von denen ich spreche, sind unentwirrbar miteinander verschlungen. Sie ent* widkeln und verwirren sich aus den unscheinbarsten Ursachen. Man muß tief eingedrungen sein in den Zusammenhang der Dinge, um zu verstehen, daß eine scheinbar ganz harmlose und unbedeutende Hand* lung oder Einrichtung fast unabwendbare Folgen nach sich zieht, die rettungslos unsere Heimat in die europäische Unordnung verstricken werden. Noch ehe die konkrete Frage als Frage, als Aufgabe euch klar wird, habt ihr sie bereits entschieden, durch Handlungen, die eurer geringen Einsicht belanglos erschienen waren und die doch die ent* scheidenden waren. Ja, es gibt jene Gesetze der Wirtschaft und Staats* Ordnung, von denen, unser aller, eure feindlichen Freunde gesprochen haben. Aber man darf ihnen nicht vertrauen, man muß sie bekämpfen. Dazu aber muß man sie kennen und schon im Keim erkennen, noch ehe es zu spät ist, man muß die Mittel beherrschen, die fruchtbar sind, und muß wissen, welche angeblichen Mittel Aberglaube heißen müßten. Kameraden! Nicht nur in euren Armen und Händen in eurem Geiste liegt EreZ'Is^aels Zukunft beschlossen. Europas Arbeiterschaft hat nach langen Kämpfen und schweren Ent* täuschurigen eingesehen, daß all ihre Millionen Arme nichts nützen, und wenn sie Gewehre trügen, ohne die Einsicht, den Verstand> die Bildung und Erkenntnisse der Arbeiter selbst. Sie mühen sich seit Jahrzehnten zu manchem, was ihnen nottut. Und ihr wollt es wegwerfen? Ihr glaubt, ihr hättet es nicht nötig? Kameraden, ihr sollt Bauern und Arbeiter werden. Aber von neuer Art. Stark:in allem Menschlichen,- Körper und Geist einend, denn nur so könnt ihr nicht allein eure Arbeit bewältigen, sondern die des Volkes gestalten. ,. ' * Gehet ihr denn nach Palästina, wie andere Arbeit suchen in Amerika,