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Jerubbaal · 1918-11-01 · 8-9 (Nov. Dez. 1918) · p. Seite 308

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
8-9 (Nov. Dez. 1918)
Date
1918-11-01
Page
Seite 308 (sequence 26)
Language
German
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308 Siegfried B e r n f e I d: Ihr/müßt mehr sein als andere Bauern, Arbeiter und Pioniere! Schon alles, was Ihr jetzt tut, ist ja unvergleichlich anders als was sonst als Vorbereitung für ein Leben gilt wie eS Euch vorschwebt. Und gar w i e Ihr es tut, ist ganz und gar ohne Vergleich bei den künftigen Bauern und'Arbeitern anderer Völker. Ganz zu schweigen von dem Maße der Aufgabe, die Euch gestellt ist. Ganz zu schweigen erst davon*, daß Ihr Eure Aufgabe klar bewußt kennt, während andere der Not, dem Hunger und dem Zwange folgend, unwissend, lediglich Gegenstand der Volks* ehtwicklung sind, und Ihr deren Träger. Aber und das gibt jener leisen Sorge eine leichte Nahrung — Ihr lebt in .einer Athmosphäre von gefährlichen Anschauungen, Urteilen und Zielen. Es gibt welche, die sagen Euch: das jüdische Volk ist krank, es istsjnicht wie die anderen sind,- Eure Aufgabe, Chaluzim, ist, es gesund zti machen, es! so werden zu lassen, wie die anderen sind. Dem jüdischen Volk, fehlen Bauern, fehlen die: Menschen, die mit Händen arbeiten. Ihr werdet dieser fehlende Menschenschlag sein. Die jüdischen Menschen und gar , die Jugend, sind recht problematisch, sie denken zu viel, sie sind zu viel auf das Geistige geriditet. Ihr, Chaluzim, werdet die jüdische Generation werden, die problemfrei, die »natürlich, ungestört arbeitend und lebend« sein wird. So sagt man Euch und wer weiß, vielleicht glauben es auch manche von Euch. Vielleicht stellen sich einige. Von Euch ein Leben vor, das sich selbst genügt, das nicht hinaus will über all die engen Grenzen, die es sich selbst steckt,- ein Leben, das zwischen Ölbäumen, Getreidefeldern, Hühnern und Kühen sich abspielt und nichts Höheres kennt, als Ölbäume, Getreidefelder, Hühner und Kühe^ Vielleicht habt Ihr selbst eine (Sehnsucht nach dem Einfachen und Idyllischen, nach dem Problem* losen und Ungeistigen. Chaluzim, wenn dem so ist, dann glaubet ihhen. erst recht nicht. Denn die meinen etwäs anderes als Eure Sehn* sucht Und ich sage Euch: wenn Ihr damit anfanget, wenn Ihr meint, daß Eure seelische Unruhe, Eure geistige Bewegtheit, Euer leidenschaftliches Interesse für alles, was Wissen heißt und was hoch ist,- wenn Ihr das abtun werdet, so wird z\rar durch Eure Hände der palästinensische Böden fruchtbar werden, aber das Judentum wird Euch nicht als die wesentlichen Pioniere betrachten. Vielleicht wird es Euch fluchen als seinen Mördern, vielleicht wird es Euch achten, als jene, die den Pionieren des Judentums nicht ganz wesenlose Dienste geleistet haben. Aber seine Moniere selbst werdet Ihr nicht sein können, wenn Euch ein Bauer vor* schwebt,; wie Ihr ihn bei Euren Wanderungen in Galizien, Polen, in Ungarn, Tirol und in Deutschland gesehen habt,- wenn Euch ein Hand* werker vorschwebt, wie Ihr ihn aus den Kleinstädten Europas/ wie Ihr ihn aus Lemberg, Krakau, Warschau, Wien oder Berlin kennt,- wenn Euch ein, Arbeitertypus vorschwebt, wie ihn die europäische Gesellschaffs- Ordnung, verbrochen hat. Ndn! So dürft Ihr nicht werden, so dürft Ihr nicht werden wollen. Wer Euch sagt, daß das Judentum krank ist, dem glaubt es nicht, denn er hat-einen falschen Begriff von der Gesundheit Gewiß; auch so sollt Ihr nicht werden wie^ßure Eltern, wie Eure Lehrer sind, wie auch Ihr

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