Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 8-9 (Nov. Dez. 1918)
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 304 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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304 Julius Röttersmann: unserem Lager hervorgerufen hat, warum man die dort vorgetragenen Ideen einerseits bekämpft hatte, anderseits wiederum ihnen gerecht werden wollte. Die Aktivisten, obwohl unter ihnen nicht nur viele Juden, sondern auch Zionisten zu finden sind <r~ wenden sich in ihren Manifesten nicht direkt an uns — sondern an alle Menschen, besonders an die, die am Geiste jung geblieben sind. Was aber z.B. Hiller oder Rübiner fordern und predigen, ist etwas durchaus Jüdisches. Ich habe dies einmal an anderer Stelle nachzuweisen versucht*) und muß mich hier beschränken. Schon Max Brod hat einmal gesagt, daß der Weg zu El <Gott, Ziel) etwas Urjüdisches ist. Ziel bedeutet verwirklichter Geist, Gottesnähe, tätiges Gottschauen <mit Hiller zu reden: »Paradies auf Erden«). Unser Ziel aber ist Zion und nicht die Menschheit,- Realität statt Abstraktion,- eine Gemeinschaft nach Gottessinn, in der sidi Geist dokumentiert und offenbart. An eine abstrakte, heute mehr als je prostituierte und vergewaltigte »Menschheit«, können und wollen wir uns zurzeit nicht verschenken,- wir wollen keine Verräter am Geiste werden. Dereinst, »am Ende der Zeiten«, wird es eine Menschheit geben,- wir werden, als Verwirklicher der Zionsidee als Gottesidee, zu Masdiiachs Zeiten vielleicht in sie eingehen, uns mit ihr verschmelzen. . . . Zurzeit aber heißt unser oberstes Gesetz: Die Ver^ wirklichung Zions, Verwirklichung der urjüdischen Idee um unseretwillen dadurch schaffen wir zugleich etwas durchaus Neues auch um der Menschheit willen. Hiller ist uns nahe, weil er mit jüdischen Begriffen und Wirklichkeiten arbeitet/ weil er auf sich die Verantwortung für das Seinsollende nimmt,- weil er nicht nur zerstören, aber auch, was wichtiger ist, neuschaffen will, weil er statt Wirklichkeit —* Geistigkeit will ,- kurz, weil seine Losung: Neugestaltung des Gegebenen auch unsere Losung ist. Eine neue Idee wurde in uns geboren und der Wille treibt uns, sie zu verwirklichen. Diese neugeborene, oder besser vielleicht: diese alte, jedoch neu belebte Idee läßt uns die gegenwärtige, die »wirk* liehe« Welt als schlecht betrachten,- schlecht aber nicht in dem Sinne, daß man ihr fremd und passiv gegenübersteht, sondern schlecht in dem Sinne, daß sie besserungsbedürftig ist, daß sie geändert werden muß, geändert nach der Idee. Unser Verhalten, der Wirklichkeit gegenüber, ist nicht »sachlich«, sondern aktiv. Wir Jungen und Geistiggerichteten lieben Hiller und die Aktivisten, weil in uns dasselbe Gesetz waltet, derselbe Wille zur Verwirklichung, dieselbe Unzufriedenheit mit dem Gegebenen lebt, dieselbe Wucht, das Alte zu zerstören und Neues zu schaffen. Uns eint der Wille und die Richtung, denn auch wir wollen königliche Menschen und eine königliche Gemeinschaft, die des Gedankens, Fühlens und Handelns. Nur was unseren Weg anbelangt, können wir noch nichts Sidieres sagen. Unser, der Zionisten bisherige Weg, ist nicht der der Aktivisten. Was den künftigen anbetrifft, bin ich persönlich für einen Bund der geistiggerichteten Zionisten (dessen Wesen und Form zu er* örtern, bin ich nicht kompetent genug. Jedenfalls wäre es eine lohnende Aufgäbe, diese Frage im »Jerubbaal« zu behandeln und sie kritisch, zu Prager >SeIbstwehr«, Dezember 1916, Jänner 1917, »Ritter vom Geiste«.